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Was ist Design Entrepreneurship?

Lange habe ich mich einer klaren Antwort verweigert um die explorative Entstehung und Entwicklung des Begriffs durch unsere Studierenden nicht zu früh fest zu legen. Nun, nachdem die ersten Absolventinnen und Absolventen die gleichnamige Studienvertiefung im Januar 2017 abgeschlossen haben, wage ich – aufgrund der gemachten Beobachtungen – eine erste Charakterisierung, die Design Entrepreneurship einerseits von traditionellen Design-Dienstleistungen und andererseits von herkömmlichen Geschäftsmodellen unterscheidet.

Design Entrepreurship ist nicht Design

Professionelles Design – egal ob Grafik-, Produkt- oder Interaction-Design – ist bis heute eine Dienstleistung mit klar definiertem Auftraggeber und Auftragnehmer. Ein Kunde mit einem mehr oder weniger spezifischen Design-Problem – oder was sie oder er darunter versteht – tritt an den Designer heran und beauftragt sie oder ihn, es für ihn zu lösen. Über die Jahre haben sich so modellhafte Auftrags-Szenarien und Lösungsansätze etabliert – sei es das Logo-Schrift-Farbe-Corporate-Design oder das “ich habe mit Informatikern eine App entwickelt, könnt ihr das Interface bitte schön machen”. Nach dem der Kunde zufrieden gestellt wurde, stellt der Designer eine oftmals zu niedrige Rechnung – man will den Kunden ja nicht vergraulen, denn es warten viele andere Designer auf den nächsten Auftrag – und beobachtet, wie der Auftraggeber mit dem attraktiven Corporate Design oder der nun nutzbaren App wächst und gedeiht, während das Designstudio keine weiteren Einnahmen aus der erfolgreichen Entwicklung ziehen kann. Erschwerend kommt hinzu, dass, dank InDesign und Photoshop, vieles was früher handwerkliches Vermögen war, zumindest technisch gesehen, von jeder Person mit der passenden Software erledigt werden kann. Den “guten” Designer, mit einer eigenen wiedererkennbaren Handschrift, leisten sich nur noch Luxusbrands; denjenigen der weiss, wie man digitale Erlebnisse smart und smooth gestaltet, kommt bei grossen Playern und Agenturen, meist zu einem guten Lohn, unter.

Design Entrepreneurship entzieht sich diesen ökonomischen Ritualen, indem der Designer nicht darauf wartet, dass ein Kunde ein Design-Problem an sie oder ihn heranträgt, sondern das Design-Problem selbst definiert und dessen Lösung in ein Unternehmen entwickelt – wobei das Aussehen der Lösung häufig genauso kreativ gestaltet wird, wie etwa der Preis und der Vertrieb.

Wieso Design Entrepreneurship nicht Business Creation ist, erfahrt ihr im zweiten Teil…

 

Wie es den ersten Absolventinnen und Absolventinnen in den drei Monaten nach ihrem Abschluss als Design Entrepreneurs ergangen ist und was aus ihren Projekten geworden ist, erfahrt Ihr an der Diskussion “What comes after the Master?” im Impact Hub Bern, am 6. Mai, ab 13:00.

 

Mehr über die Berner Designititative, die Design Entrepreneurship in Bern fördert, erfahrt Ihr am Kick-Off Event im Impact Hub Bern, am 5. Mai, ab 17:30.