2020 startet der Impact Hub Bern mit der Ankündigung einer neuen Partnerschaft: Die Hochschule für Wirtschaft Fribourg HSW-FR und der Impact Hub Bern freuen sich die Zusammenarbeit ab sofort anzugehen und lancieren eine Event-Reihe, die am 12. März 2020 mit der neuesten Fail Night im Impact Hub Bern in die erste Runde geht. Wir haben mit Rico Baldegger, Direktor der HSW-FR, ein Interview zu dieser neuen Partnerschaft geführt.

Impact Hub Bern: Sie gehen als Direktor eine Zusammenarbeit mit dem Impact Hub Bern ein. Was ist geplant und was bedeutet diese für Sie? 

Rico Baldegger: Unsere Partnerschaft  basiert auf einer gemeinsamen Philosophie: Unternehmerisches Verhalten zu fördern und angehende Unternehmerinnen und Unternehmer zu motivieren. Auf diese Zielgruppe möchten wir uns fokussieren, indem wir Events organisieren und ein Netzwerk kreieren. Ein weiterer, wichtiger Grund für die Partnerschaft ist sicherlich auch, dass wir als Hochschule für Wirtschaft Fribourg die Reichweite in Bezug auf unsere Aktivitäten weiter ausbauen möchten.

Worin sehen Sie die Stärken einer Partnerschaft zwischen Impact Hub Bern und der Hochschule für Wirtschaft Fribourg? 

Beide Institutionen sind sehr nach an der Praxis. Was uns sicher auch verbindet und auszeichnet sind das Unternehmertum und die Innovation. Die HSW-FR übernimmt da eine «Brückenfunktion». Auch sind wir sowohl akademisch, als auch nicht-akademisch, denn man hat bei uns die Möglichkeit, Programme zu ganz spezifischen wissenschaftlichen Themen durchzuführen, ebenso Projekte via Hochschule zu erarbeiten. Wichtig für uns ist es, aufzuzeigen, dass wir keine Mini-Universität sind. Dies ist auch nach wie vor ein grosser Diskussionspunkt: Wir sind nicht nur akademisch unterwegs, sondern legen grossen Wert auf eine gute Balance.

 

v.l.n.r. Rico Baldegger (Direktor HSW-FR), Lukas Schneuwly (HSW-FR), Eric Postler (Impact Hub Bern)

Die Partnerschaft läuft aktuell für zwei Jahre. Wie sieht der Ausblick aus, was möchte man gemeinsam erreichen?

In erster Linie wollen wir erfolgreich gemeinsam Events organisieren und basierend auf diesen Anlässen weitere, gute Projekte entwickeln. Des weiteren erhoffen wir uns ein erhöhter Bekanntheitsgrad beider Institutionen. So hätten wir schon zwei wichtige Punkte abgedeckt, wenn sich bis dahin noch ein bis zwei gute Projekte entwickelt haben, umso besser.

Am 12. März planen wir den ersten Event – die FAIL NIGHT. Warum startet man ausgerechnet mit einer FAIL NIGHT?

Wenn man unternehmerisch tätig ist, hat man zunächst oft mehr Misserfolge, als Erfolge. Wir finden es ist ein Aspekt, welcher viel zu wenig thematisiert wird. Es ist sehr interessant, mit Leuten zu sprechen, welche Misserfolge erlebt haben, aber nachher wieder aufgestanden sind. Wir haben das Format der FAIL NIGHT gewählt, um diesen Teil des Unternehmertums in einer positiven Art und Weise darzustellen. Der Misserfolg soll hierbei nicht im Vordergrund stehen. Es ist nicht ganz einfach Leute zu finden, die gerne über ihre «Fails» respektive Misserfolge sprechen wollen. Ich persönlich werde zumindest den Anfang machen und am Event von meinen Fails erzählen (schmunzelt).

 

v.l.n.r. Pablo Sulzer (Kommunikation & Events, Impact Hub Bern), Rico Baldegger (Direktor, HSW-FR), Eric Postler (Business Developement, Impact Hub Bern), Lukas Schneuwly (Verantwortlicher Career Service & Collaborateur Scientifique HES, HSW-FR)

Nachdem Holger Hoffmann-Riem jahrelang als Innovationsmanager vom WWF Social Entrepreneurship*-Startups begleitet und in gefühlten 1001 Wettbewerben auch als Jurymitglied bewertet hat, wechselte er 2016 die Seite und gründete selbst ein Startup. Natürlich eines mit sozialer und nachhaltiger Ausrichtung.

Holger, du bist vom langjährigen Innovationsmanager beim WWF zu deinem eigenen Startup gekommen, wie kam das?
Beim WWF Schweiz habe ich viele Sozialunternehmen unterstützt. Dabei hat sich gezeigt dass die Förderung von Sozialunternehmen für NGOs sehr attraktiv ist – man kann mit wenig Geld viel bewirken. Deshalb macht es Sinn, nicht nur Umweltprojekte zu unterstützen, sondern auch Projekte aus anderen Themenfeldern. Das geht mit einem Spin-Off besser als wenn der WWF plötzlich Projekte im Bereich der Gesundheitsförderung begleiten würde. Ausserdem kann ich Startups wirkungsvoller unterstützen wenn ich ihre Herausforderungen aus erster Hand kenne.

Welche Lücke schliesst du mit differencelab?
Ein wichtiges Anliegen von differencelab besteht darin, dass jeder engagierte Mensch die Möglichkeit erhalten soll, in einem sinnvollen Projekt mitzuarbeiten. Wir wollen dass jeder Projektinitiator ein Projekt zum Thema seiner Wahl initiieren kann, dann wann es für ihn am besten passt – unabhängig davon ob es gerade einen Projektwettwerb zu diesem Thema gibt. Und wir wollen vermeiden, dass die Initianten von einzelnen grossen Geldgebern abhängig werden. Daher unterstützen wir die Projektinitianten dabei, um ihr Projekt herum ihre eigene Unterstützer-Community aufzubauen. Wir gehen nicht davon aus, dass wir als Experten alle Lösungen kennen – aber wir vertrauen auf die Fähigkeit unserer Projektteams, Herausforderungen mit Unterstützung ihrer Community selbst zu meistern.

Wie funktioniert differencelab?
Zunächst einmal erzählen die Projektinitianten mir von ihrem Projekt, damit wir herausfinden können, ob es zu differencelab passt. Wenn das der Fall ist helfe ich ihnen, ihre Projektziele gut verständlich zu formulieren. Anschliessend bauen sie dann schrittweise eine Website auf, die es ihnen ermöglicht eine Community aufzubauen. Die Mitglieder der Community können dann Anregungen einbringen, wie das Projekt weiterentwickelt werden könnte, sie können als Freiwillige mitarbeiten oder das Projekt durch Crowdfunding unterstützen. In den meisten Fällen kommen beim Crowdfunding mehr als 20’000 Franken zusammen, so dass die Initianten einige Monate lang mit voller Kraft am Projekt arbeiten können. Nach einigen Monaten sollte dann abschätzen können, ob das Projekt gute Erfolgsaussichten hat, und dann geht es darum, eine nachhaltige Finanzierungsgrundlage zu finden.

Wie tritt man am besten in Kontakt mit dir?
Gern per Email an [email protected] Oder noch besser beim Open Monday am 23.4.

*Social Entrepreneurship beschreibt die Art und Weise, wie man ein Unternehmen führt. Der Hauptgedanke ist, mit Hilfe von unternehmerischen Lösungen soziale oder ökologische Herausforderungen unserer Zeit anzupacken. Der Impact Hub steht für nachhaltiges Unternehmertum.