Rolf Arni, Mitgründer vom Impact Hub Bern und nun frischgebackener Vater, erzählt von seinen Vaterschaftsurlaubs-Erfahrungen und den heutigen Möglichkeiten & Chancen von Remote Work bei einer Familiengründung. 

Am 8. Januar kommt etwas früh unsere Ella zur Welt. Schon hier zeigt sich meine Arbeitssituation im Hub als äusserst flexibel, musste ich doch den Vaterschaftsurlaub von zwei Wochen plötzlich viel eher beziehen. Ich hatte zwar schon ab und zu Termine, konnte das aber gut miteinander vereinbaren.

Die ersten Wochen: Am Morgen konnte ich jeweils gut mit der Kleinen auf dem Schoss arbeiten (da schlief sie noch mehrheitlich), sodass meine Frau Samira nach einer langen Nacht auch etwas ausruhen konnte. Dank super Unterstützung von ihr war es mir auch möglich, die Masterprüfungen und dann später die Masterarbeit abzuschliessen.

Wir versuchen so gut es geht, zu gleichen Teilen für unser Kind da zu sein, was natürlich nicht immer einfach ist. Anfang 2019 konnte ich zudem auf 60% beim Hub reduzieren und habe so mehr Zeit zur Verfügung. Remote Work zeigt sich zudem wieder mal als ideale Arbeitsform! Ich kann mehr Zeit zuhause verbringen. Und wenn Samira und die Kleine eine schlechte Nacht haben, nehme ich Ella morgens einfach in den Hub und gönne meiner Frau eine Auszeit zuhause.

Etwas strenger wurde es wieder, als Samira 60% zu arbeiten begann. Zum Glück kann sie das auch Remote, sodass wir immer noch viel Zeit haben, uns um unser Kind zu kümmern. Wir müssen uns nicht tot-planen, wie das andere Familien müssen. Ich glaube, Remote Work ist das Modell der Zukunft.

Eine grosse Hilfe war da auch die Mutter von Samira und später meine Eltern, welche einige Zeit mit Ella verbrachten, während wir arbeiteten. Jetzt nach acht Monaten besucht Ella wöchentlich während zwei Tagen die Kita bei uns im Breitenrain, einen Tag verbringt sie jeweils bei meinen Eltern, einen bei mir und einen halben bis ganzen Tag bei Samiras Eltern.

Letztlich bin ich sehr dankbar, haben wir mit dem Impact Hub eine fortschrittliche Unternehmung erschaffen, die all das möglich macht und sehr zur Lebensqualität unserer Familie beiträgt.

Spanien, Oktober 2016, Rolf Arni

Als ich 2010 um die Welt reiste, war der Begriff digitale Nomaden noch nicht geläufig. Dies kam erst um 2013. Schon damals erachtete ich es als ideal und möglich, in einem kostengünstigen Bungalow direkt am Traumstrand in Thailand zu wohnen und ebenso konzentriert wie fokussiert an einem Projekt zu arbeiten. Den Begriff digitaler Nomade kennen wir mittlerweile alle. Doch was ist nun ein sharing Nomade?

Es beginnt alles beim Teilen. Bereits 2008 habe ich gemerkt, dass Objektive und Kameras ja eigentlich auch vermietet (also geteilt) werden können. Rentalens war sodann mein erstes Startup – klassisch aus einer Garage geführt von 2009-2011. Danach habe ich mein Büro und Lager mit anderen geteilt, da es noch keine Coworking Spaces gab. In Bern ist das übrigens sehr geläufig und gibt es mehr, als man denkt.

Im September 2014 eröffnete ich mein erstes eigenes Coworking H24 an der Herrengasse, welches kurz darauf erweitert (Büro nebenan, H26) wurde, bis ich ein Jahr später mit Chris Jenny das Coworking Work Central im Oktober 2015 startete. Das waren alles gute Vorläufer zu unserem Schlussprodukt Impact Hub Bern, welcher vorletzte Woche seine Tore öffnete und gut 50 Personen Platz zum Arbeiten und Vernetzen bietet.

Heutzutage benötigt man kein Auto mehr, kein Hotel, kein Taxi. Nichtmal mehr eine Buchhaltungs- oder Zeitmanagementsoftware, geschweige denn ein Sekretariat oder eine Assistenz. Sogar Ideen werden heute geteilt. Es ist alles auf Abruf oder im Monatsabo im Internet zu erhalten. Diese Möglichkeiten werden schon lange von digitalen Nomaden genutzt – man kann sich damit ein gut funktionierendes Geschäft wie z.B. erwähnten Objektivverleih aufbauen und im Idealfall wie Tim Ferris nur 4h pro Woche arbeiten.

Immer mehr Leute schätzen die neue Freiheit, die damit gewonnen wird. So kann ich mich z.B. besser auf ein Projekt oder eine Arbeit fokussieren (plus 13.5%, wie aus dieser Harvard Studie bekannt wird). Die Arbeitnehmer von morgen suchen so immer gezielter nach Arbeitgebern, die eine solche Option anbieten. Aber auch die Firmen erkennen, dass die Mitarbeiter – wenn richtig geführt – von remote her produktiver sind.

Die Masterarbeit von Gabriel Schmid – bei der ich einer der Interviewpartner war- besagt auch klar: “Digitales Nomadentum ist mit einer Festanstellung vereinbar”. Das wichtigste dabei ist Vertrauen, Transparenz und Struktur, sprich klare Regeln, gute Dokumentation, geregelte Erreichbarkeit und flache Hierarchien. Nach der Einschätzung von Lorenz Ramseier (Gründer digitalenomaden.ch) sind die digitalen Nomaden der Vorläufer einer globalen Revolution auf dem Arbeitsmarkt.

Diese Zeilen stammen live von einem digitalen Nomaden – momentan aus dem Coworking Space nibus39 in Palma de Mallorca.

An der Sharecon am 2.11.16 bei uns im Impact Hub bin ich mit von der Partie bei der Podiumsdiskussion. Es hat noch freie Tickets hier.