Vor einiger Zeit fand der zweite Teil der Eventreihe zum Thema «Kreislaufwirtschaft in Fashion & Textilien» statt. Ueli Ramseier, der Gründer von Swiss Silk, war einer der Referierenden. Nach seinem spannenden Talk wollten wir mehr über das Projekt herausfinden und besuchten ihn dazu auf seiner Plantage am Wohlensee. Übrigens: Teil drei dieser Eventreihe zum Thema nachhaltiger Konsum findet am Samstag, 14. August statt, inkl. Berner Stadt-Tour.

«Das hat was Nussiges, nicht?» Ueli schaut uns herausfordernd an, während er genüsslich auf einem frischen Maulbeerblatt herumkaut. «Probiert einmal! Wenn wir da selbst gerne reinbeissen, dann mögen’s die Raupen bestimmt auch.» Wir stehen auf seiner 0.3 Hektaren umfassenden Maulbeerbaumplantage mit Blick auf den Wohlensee. Hier werden in der Hochsaison pro Tag rund 100 Kilogramm Maulbeerbaumblätter für die vier Mahlzeiten von 20’000 hungrigen Bombyx Mori, der domestizierten Seidenraupe, geerntet.

 

Ueli, Gründer von Swiss Silk und Sol, Kommunikations-Mitarbeiterin vom Impact Hub Bern, degustieren Maulbeerbaumblätter. Bild: Noreen Illi.

Sol Kislig, Impact Hub Bern: Was passiert mit den Maulbeerbaumblättern, die hier geerntet werden? Wie wird daraus Seide?

Ueli Ramseier, Swiss Silk: Sie werden an Seidenraupen verfüttert. Diese sind jedoch nie direkt auf den Bäumen, sondern im Raupenstall. Am Anfang sind sie noch winzig, am Schluss so lang wie mein Mittelfinger. Die Raupen nehmen in dieser Zeit das 10’000-fache ihre Gewichts zu. Dann spinnen sie sich von aussen gegen innen in ihren Kokon ein, während dem sie innerhalb von drei Tagen rund 2’000 Meter Seidenfaden produzieren. Darauf beginnt der Prozess der Metamorphose, in dem sich die Raupe zuerst in eine Puppe verwandelt und sich selbst dabei verdaut – Histolyse nennt man das – und seine Raupenorgane komplett abbaut. Was übrig bleibt, ist eine amorphe Eiweissmasse mit Zellinformationen, aus der sich dann ein Falter zusammensetzt. Der Falter würde das Kokon dann durchbrechen, indem er es mit einer alkalischen Flüssigkeit auflöst. Dann würden sich die Falter paaren, das Weibchen noch kurz Eier legen, und dann beide sterben. Das wäre der natürliche Prozess. Aber für die Seidenproduktion wird das Kokon dann, wenn die Raupe eine Puppe ist, geerntet und abgetrocknet, sodass sich die Puppe nicht weiterentwickeln kann. So ist das Kokon dann haltbar und kann im Winter, wenn es keine Maulbeerbaumblätter zur Raupenaufzucht gibt, zu Seide verarbeitet werden. Dazu wird der Kokon in unserer Werkstatt abgewickelt, wodurch wir Rohseide erhalten. Wir verkaufen die Puppen als Tierfutter. So geht auch bei uns dieses wertvolle Wesen nicht verloren. Bei der Seidenproduktion wird generell nichts weggeworfen; auch das Material, das beim Abhaspeln – dem Abwickeln des Seidenfadens vom Kokon – entsteht, wird zu Schabseide verarbeitet. Und wenn man den Prozess zu Ende denkt: Seide ist eine Proteinfaser und kann daher am Ende ihres «Gebrauchs» auch kompostiert werden – insofern sie nicht mit Nylon oder anderer Kunstfaser vernäht wird.

 

Die Puppen der Seidenraupe haben einen hohen Nährstoffgehalt und werden als Tierfutter weiterverwendet. Bild: Noreen Illi.

«Dieser hohe Stundenlohn kommt nur zustande, weil wir ein anderes Wirtschaftsmodell haben und uns in dieser Nische befinden, in der es genug Leute gibt, die finden, dass unsere Arbeit so viel wert ist.»

 

Das klingt nach einem faszinierenden, aber auch sehr aufwändigen Prozess. Lohnt es sich?

Ja, der lohnt sich in verschieden Hinsichten. Erstens lohnt er sich finanziell: Wir verdienen auf unserem Betrieb mit der Seideraupenaufzucht einen Stundenlohn von 25 Franken. Darin sind keine Direktzahlungen oder Subventionen enthalten. Das ist ein sehr guter Ansatz für die Landwirtschaft, wo der durchschnittliche Stundensatz mit Subventionen, die etwa 40% ausmachen, bei ungefähr 19.50 Franken liegt. Dieser hohe Stundenlohn kommt nur zustande, weil wir ein anderes Wirtschaftsmodell haben und uns in dieser Nische befinden, in der es  genug Leute gibt, die auch finden, dass unsere Arbeit so viel wert ist.

Zweitens lohnt es sich auch in der Hinsicht, dass wir etwas ausprobieren können, das sich der traditionellen Marktlogik entzieht. Wir haben keine Marktpreise, sondern Produzentenpreise. Wir rechnen den Aufwand mit unserem angestrebten Stundenlohn und daraus resultiert der Produktpreis. Deshalb ist die Seide, die wir produzieren, etwa achtmal so teuer wie der Weltmarktpreis. Ausserdem machen wir keine Verträge, nur mündliche Zusagen. So bauen wir ein Vertrauensverhältnis in der Produktionskette auf. Das passt irgendwie besser zu diesem integrierten Wirtschaftsverständnis, in dem der Mensch eine grosse Rolle spielt.

 

Dieser Seidenfaden wird aus zwölf Kokons gesponnen. Bild: Noreen Illi.

 

Eine Folgefrage wäre gewesen, wie dann Schweizer Seide auf dem internationalen Mark kompetitiv bleiben kann. Aber das scheint in dem Fall gar nicht euer Ziel zu sein.

Nein, überhaupt nicht. Deshalb werden wir auch immer klein bleiben. Wir sind uns bewusst, dass wir nicht unser Wirtschaftssystem umkrempeln werden. Aber wir möchten gerne ein Beispiel dafür sein, wie man in einer Nische auch wirtschaften kann. Das machen wir jetzt seit 14 Jahren, uns gibt es noch und die Nachfrage ist da, wir können immer verkaufen, was wir produzieren. Es scheint aufzugehen.

Aber eben auch nicht mit diesem Wachstumsanspruch. 

Nein, diese Wachstumslogik sollte man grundsätzlich kritisch hinterfragen. Wenn man kreislaufwirtschaftlich denkt, kommt man automatisch ziemlich schnell mal zum Regionalen. Ein global angelegtes Geschäftsmodell, das den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft entsprechen soll, erscheint mir eine grosse Herausforderung. Indem wir eine sehr kleine Marge auf unseren Produkten haben und keine Aufschlagskalkulation machen, können wir die Verkaufspreise so ansetzen, dass sie mit einem durchschnittlichen Schweizer Lohn erschwinglich sind.

 

«Wenn man kreislaufwirtschaftlich denkt, kommt man automatisch ziemlich schnell mal zum Regionalen.»

 

Du sagst, es braucht mehr lokale Initiativen. Eine solche hast du ja selbst mit Swiss Silk gestartet.

Ja, dieser Verein ist aus einer Not heraus entstanden. Ich bin gelernter Bauer, aber hatte kein Land. Deshalb war für mich klar, dass ich, sobald ich etwas Land bekomme, etwas daraus machen muss, das viel Wertschöpfung gibt. Da kommt man sowieso direkt zu den Nischenprodukten: Beeren, Reben, Nüsse oder Seidenproduktion. Zum andern bin ich auch Textilingenieur.  Aus diesem Mix heraus ist die Idee entstanden, in die Seidenproduktion einzusteigen. Im Verein sind Hersteller:innen, so wie Verarbeiter:innen und Käufer:innen als Mitglieder vertreten.

Ausserdem formuliert Swiss Silk Richtlinien für eine nachhaltige Seidenproduktion.

Genau, denn Insekten fallen in der Schweiz nicht unter das Tierschutzgesetz, weshalb es keine Regeln dazu gibt, wie mit ihnen umgegangen werden darf und soll. Aber unser Grundprinzip, alles Lebendige wertzuschätzen, schliesst natürlich Insekten mit ein. Dies hat uns dazu motiviert, Regeln für den Umgang mit den Seidenraupen festzulegen. Beispiele dafür sind, wie mit kranken Seidenraupen umgegangen wird, wie der Abtrocknungsprozess abläuft, welche Standards die Nahrung der Raupen, also die Maulbeerbäume erfüllen müssen, dass die Raupen nicht mit Antibiotika behandelt werden dürfen und genug Sonnenlicht erhalten sollen… Diese Richtlinien werden von allen Produzent:innen, die an uns liefern wollen, unterschrieben. Wir kontrollieren dann deren Einhaltung als Zertifizierungsorganisation. Ich kenne kein anderes Land, das Standards für die Seidenraupenproduktion hat. Wir sind wahrscheinlich also weltweit die ersten.

 

«Unser Grundprinzip, alles Lebendige wertzuschätzen, schliesst natürlich Insekten mit ein. Dies hat uns dazu motiviert, Regeln für den Umgang mit den Seidenraupen festzulegen.»

 

Gibt es noch weiter Faktoren, die zur Kreislauffähigkeit eurer Seidenproduktion beitragen?

Wenn man von der Plantage in den Stall wechselt, sieht man dort unsere Aufzuchtmaterialien. Die Kartonwaben, in denen die Kokons entstehen, sind 12 Jahre alt. Sie werden immer wieder desinfiziert und wiederverwendet. Die Inkubatoren sind aus alten Getränkekühlschränken, Computerlüftungen und Aquariumheizungen von der Müllhalde gebaut, sind das Ergebnis eines Upcyclings. Die Aufzuchtbecken haben wir Secondhand von Japan eingekauft. Ausserdem ist die gesamte Seidenproduktion nicht sehr energieintensiv.

 

Der Raupenstall ist bereit für die erste Aufzucht der Saison. Bilder: Noreen Illi.

 

Wo kann man eure Seidenprodukte kaufen?

Wir haben eine sogenannte Bauernhoflinie. Das ist das, was man bei uns und in den Hoflädeli unserer Produzent:innen kaufen kann. Das ist ungefähr ein Viertel unserer Produktion. Die Idee hinter dem Gedanke, dass man diese Produkte nicht in «normalen» Läden kaufen kann, ist, dass nur die Leute damit Gewinn machen sollen, die auch mit der Seide gearbeitet haben. Ein reiner Handelsgewinn würde mit unseren tiefen Margen nicht funktionieren. Ein weiterer Teil unserer Produktion geht als Garn oder Meterware an verschiedenste Leute, beispielsweise an Designer:innen wie Rafael Kouto und Janine Grubenmann. Dann gibt es einen Teil, der in die Trachtenproduktion fliesst. Und der letzte Teil geht in die Medizinaltechnologie. Die Kokons werden an Hightech-Unternehmen verkauft, die daraus flüssige Seide machen. Aus der werden dann beispielsweise künstliche Bandscheiben gefertigt.

 

Dieser wunderschöne Schal ist aus Schweizer Seide gefertigt. Bild: Noreen Illi.

«Es ist alles viel zu billig! Eine Seidenbluse für 39.- kann nicht sozial oder nachhaltig produziert worden sein.»

 

Wenn man Seidenprodukte kauft, die nicht aus Schweizer Seide sind: Gibt es etwas, worauf man achten muss? Oder Indikatoren, die zeigen, dass die Produktionsbedingungen okay sind? 

Ganz einfach: Der Preis. Es ist alles viel zu billig! Eine Seidenbluse für 39.- kann nicht sozial oder nachhaltig produziert worden sein. In 55 Ländern wird weltweit Seide produziert, in 53 davon wird Seide subventioniert. Diese Subventionen fliessen jedoch meistens leider nicht zu den Bauern, sondern irgendwo in die Verarbeitungskette, damit das Produkt dann günstiger auf den Markt kommt. Solch tiefe Preise entstehen gezwungenermaßen durch ausbeuterische Verhältnisse.

Wo siehst du Swiss Silk und die Schweizer Seidenproduktion in 10 Jahren?

Wir wollen eine Manufaktur bauen. Dazu sind wir momentan am Gelder sammeln und auf der Suche nach passendem Land. Die Idee ist es, damit das bereits Erreichte etwas zu stabilisieren. Momentan ist relativ viel von mir abhängig. Aber irgendwann muss man mich auch ersetzen, ich werde bald mal pensioniert.

Des weiteren wollen wir qualitativ noch besser werden. Ein bisschen müssten wir auch noch quantitativ wachsen, damit wir alle Kund:innen beliefern können, die sich für unser Produkt interessieren. Als Letztes – und das ist meine Herzensangelegenheit – möchte ich die Schweizer Seidenproduktion breiter vernetzen. Bereits jetzt sind wir mit 14 Ländern in Europa und Afrika im Austausch, aber das Bedürfnis für eine Plattform für Seidenbauern und -bäuerinnen ist definitiv gross.

 

 

Möchtest du gerne mehr zum Thema kreislauffähige Textilien und nachhaltigem Konsum erfahren? Der nächste vom Impact Hub Bern organisierte Event zu diesem Thema findet am 14. August 2021 statt, inklusive Berner Stadttour. Hier kannst du dich dafür anmelden. Die Anlässe finden im Rahmen von Circular Economy Transition statt, eine nationale Initiative von Impact Hub Switzerland. 

 


 

Circular Economy Incubator | Hast du auch ein Unternehmen oder ein Projekt, dass sich mit der Kreislaufwirtschaft befasst oder befassen möchte? Dann informiere dich über die dritte Ausgabe des Circular Economy Incubator. Einreichungen ab jetzt offen. Infomittags-Anlass virtuell am 3. September, Infos dazu hier.

 

Erstmal richtig frühstücken: Laut Raphaël ist das für einen guten Start in den Tag entscheidend. Danach kann er sich seinen zahlreichen Pflichten widmen. Eine davon ist das Verfassen des Global Entrepreneurship Monitor, andererseits ist er verantwortlich für den Masterstudiengang Entrepreneurship bei unserer Partnerin, der Hochschule für Wirtschaft Fribourg (HSW-FR).

Der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) ist ein weltweites Forschungsprojekt zum Thema Unternehmertum, in der Schweiz wird die Datenerhebung dazu von einer Forschungsgruppe an der HSW-FR durchgeführt. Die nationalen Ergebnisse des GEM werden diese Woche veröffentlicht. Raphaël Gaudart, Verantwortlicher für die qualitative Portion des Reports, den National Expert Survey (NES), gibt uns einen kleinen Sneak Peak – in seinen Alltag und die erstaunlichsten Ergebnisse des GEM 20/21.

Raphaël, merci, dass du dir heute Zeit für dieses Interview genommen hast. Hattest du eine guten Tag bis jetzt?

Ja, wie jeden Tag startete ich auch den heutigen mit einem feinen Frühstück. Das ist für mich die Mahlzeit des Tages. Dann habe ich am GEM, dem Global Entrepreneurship Monitor, weitergeschrieben und musste Prüfungen korrigieren. Ausserdem hatte ich einen Austausch für unsere Masterstudierenden mit einer Klasse aus Boston organisiert, der letzten Samstag abgeschlossen wurde. Nun hatten wir heute das letzte Debriefing… also eine volle Woche.

Ja, das klingt nach einem ziemlich intensiven Programm. Wer bist du? Beschreibe dich selbst mit drei Worten.

Aufgestellt, Macher und Spass-muss-trotzdem-sein.

 

Zur Person: Nach einem Bachelorabschluss in Betriebsökonomie an der HSW Fribourg hat Raphaël einige Jahre in der Baubranche gearbeitet. Später entschied er sich dazu, mit einem Master in Business Administration weiterzubilden und kehrte dafür an die HSW zurück. Während seinem letzten Master-Studienjahr hat er ein Startup im Bereich nachhaltiger Beton gegründet. Das Angebot an der HSW, die Verantwortung des Masterstudiengangs Business Administration zu übernehmen, initiierte seine berufliche Laufbahn an der HSW, wo er kontinuierlich in grössere Projekte involviert wurde, beispielsweise ins GEM-Projekt. Heute unterrichtet Raphael im Bachelor unterschiedliche Fächer im Zusammenhang mit Entrepreneurship und ist seit September 2020 in der Direktion der HSW. Er ist ein selbsternanntes «HSW-Produkt», wie er im Interview lachend erzählt. Nebenbei startet er gerade mit seinem neuen Projekt Simon&Josef durch.

 

Denkst du ab und an noch an dein Startup? Spielst du manchmal mit der Idee, es noch einmal zu versuchen?

Dass wir unser Startup nach eineinhalb Jahren schliessen mussten, war für mich eines meiner grössten Learnings. Und dieses teile ich gerne mit meinen Studierenden. Doch dieses Feuer ist definitiv noch nicht erloschen. Das erste Startup lodert noch in mir, aber die momentanen Umstände erlauben es mir nicht, diese Idee weiter zu spinnen. Dies weil ich letzten Frühling ein anderes Startup gegründet habe. Wir waren damit auch im Impact Hub beim letzten lia award dabei. Da reichte es zwar nicht fürs Finale, aber es war trotzdem sehr eine coole Erfahrung. Die ganze Startup-Geschichte liegt mir. Mit diesem neuen Startup in der Hotellerie-Branche wollen wir nun das Momentum nutzen, um richtig durchzustarten.

Sehr spannend, denn auch in meinem letzten Interview wurde erwähnt, dass die Pandemie auch neue Chancen für Gründungen geschaffen hat – mehr dazu später. Wie erwähnt bist du Teil des Forschungsteams des Global Entrepreneurship Monitor (GEM) Schweiz. Was ist das genau?

Der GEM ist ein weltweites Konsortium. Es gibt 45 Länderteams, die jährlich Daten im Forschungsfeld Entrepreneurship erheben. Da gibt es zum einen eine quantitative Datenerhebung – pro Land müssen minimum 2000 Datensätze quantitativ erhoben werden – und zum anderen qualitative Interviews, von welchen pro Land 36 durchgeführt werden. So kommt man auf knapp 150 000 Interviews pro Jahr und unzählige Vergleichsmöglichkeiten zwischen den verschiedenen Ländern, da die Art der Datenerhebung in allen Ländern gleich ist. Den GEM gibt es seit 1999 und seither konnte man durch ihn einen enormen Wissensschatz aufbauen.

 

Dass wir unser Startup nach eineinhalb Jahren schliessen mussten, war für mich eines meiner grössten Learnings.

 

Wie ist der GEM methodisch und strukturell aufgebaut?

Es gibt einen quantitativen Teil, den Adult Population Survey (APS) und einen qualitativen Teil, den National Expert Survey (NES). Der qualitative Teil enthält neun Kategorien, die von von Finanzexpert*innen, über Institutionen, Infrastruktur, Regierung bis hin zu Akademia gehen. Darin geht es um die Kontextualisierung der Länder. Des weiteren ist die Gegenüberstellung der quantitativen und qualitativen Auswertung interessant um zu sehen, ob sich diese überschneiden oder widersprechen.

Normalerweise sind die Resultate sehr konstant. Mit Ausnahme der Schweiz, Mexiko und Spanien haben die Mitgliedsländer noch nie mehr als 0.5 Punkte im NES gewonnen oder verloren. Die Schweiz ist jedoch im internationalen Ranking vom ersten Platz in den letzten zwei Jahren auf den dritten, und dann auf den 10. Platz zurückgefallen. Wir sind momentan dabei, nach möglichen Gründen für diesen Rückfall zu suchen.

Was hat dich an diesem Projekt fasziniert und motiviert, Teil davon zu werden?

Ich denke, es ist das Zusammenspiel zwischen Forschung, bei der man probiert, Dinge zu hinterfragen, herauszufinden, was die Gründe hinter einer bestimmten Beobachtung sind, und Alltag, wo man versucht, diese Erkenntnisse umzusetzen. Das fasziniert mich. Deswegen ist ein wichtiger Punkt des GEM auch, Empfehlungen für Policymakers abzugeben – was sie erreichen müssen, woran sie sich orientieren können.

Hast du ein konkretes Beispiel, wie die Erkenntnisse des GEM umgesetzt werden?

Der GEM ist sehr medienwirksam, wodurch wir Kontakte mit innosuisse und mit dem Swiss Economic Forum aufbauen konnten. Die Themen Entrepreneurship und KMU sind dort sehr aktuell. Und innerhalb des GEM gibt es pro Jahr jeweils ein Special Focus Topic. So konnten wir zusätzliche Sponsorships aufbauen, welche wir datenbasiert beraten.

Was sind die diesjährigen GEM-Ergebnisse, die dich am meisten erstaunt haben?

Die «Fear of Failure» hat sehr stark zugenommen, von 24% auf 33%. Die «Business opportunity recognition» war dieses Jahr bei 26%, im Vergleich zu 40% letztes Jahr. Viele dieser Findings sind auf die Covid-Pandemie zurückzuführen. Eine weitere spannende Erkenntnis wird in der Total Entrepreneurial Activity (TEA) ersichtlich. Da waren wir 2019 bei 9.8% unternehmerischer Aktivität der Befragten (TEA), aufgeteilt nach Geschlecht sind es 7.3% der weiblichen und 12.3% der männlichen Befragten. Letztes Jahr sieht das etwas anders aus: 9.2% TEA, nach Geschlecht 8.7% weiblich und 9.8% männlich. Trotz absoluter Abnahme hat also der Frauenanteil an der unternehmerischen Aktivität im letzten Jahr zu- und der Männeranteil abgenommen. Diese Erkenntnis hat das Focus Topic des GEM 2021/22 inspiriert: Women Entrepreneurship.

Jetzt nimmt uns natürlich wunder: Wo schneidet die Schweiz gut ab und wo eher schlecht?

Wo die Schweiz konstant gut abschneidet, ist beim Zugang zu Finanzen und Infrastruktur. Dort heben wir uns von der Konkurrenz ab. Was dazukommt, ist die erleichterte Bürokratie. Dass das Prozedere, um sich selbstständig zu machen, nicht mehr so ein riesen Papiertiger ist. In der Rubrik «Unterricht zum Thema Entrepreneurship» schneiden wir auf der Primarstufe sehr schlecht ab. Auf der zweiten Stufe, der Post-Education, ist das Angebot wiederum gut. Dazu kommt die Kultur der Misserfolge, die sich zwar verbessert hat, aber trotzdem noch vergleichsweise kritisch bleibt. Die Angst vor dem Scheitern ist nach wie vor da, und hat dieses Jahr noch einmal enorm zugenommen, nachdem wir letztes Jahr auf einem guten Weg waren. Das hat bestimmt auch mit der Pandemie zu tun.

 

Im Vergleich zu anderen Ländern sind wir nicht «necessity-driven»: Wir müssen nicht. Deshalb ist wahrscheinlich auch die «opportunity recognition» tiefer als in anderen Ländern.

 

Denkst du, dass das eine Suche nach Sicherheit ist? 

Ja, bestimmt einerseits. Aber andererseits muss man die Katze aus dem Sack lassen und zugeben, das wir halt in der Schweiz sehr gute Anstellungsbedingungen haben. Deshalb stellen sich noch mehr Menschen die Frage: Wieso sollte ich mich selbstständig machen, wenn ich das gar nicht unbedingt brauche? Spätestens mit einer Weiterbildung habe ich oftmals einen sehr guten Lohn, im Verhältnis zur Selbstständigkeit. Aber klar, die Selbstständigkeit hat natürlich andere Vorteile: flexible Arbeitszeiten, Ortsunabhängigkeit, mehr Spielraum… aber im Vergleich zu anderen Ländern sind wir nicht necessity-driven: Wir müssen nicht. Deshalb ist wahrscheinlich auch die «opportunity recognition» tiefer als in anderen Ländern. Wenige sind bereit dazu, ihre Komfortzone zu verlassen.

Die Strategie kann ja wohl kaum sein, dass wir die Anstellungsbedingungen verschlechtern. Siehst du eine andere Option, um diese Problematik der Angst anzugehen?

Ein steter Tropfen höhlt den Stein. Je mehr wir über das Thema Entrepreneurship reden, je mehr Fail Nights wir veranstalten, je mehr Finanzinstitutionen und Banken wir in die Diskussion mit einbeziehen und ihnen klarmachen, dass Fehler vor allem Lernmöglichkeiten sind, desto mehr Menschen werden den Schritt ins Unternehmertum wagen.

Doch dies braucht Zeit. Wir wollen eine Kultur erreichen, in der Fehler respektiert werden. Dafür braucht man Institutionen, die das Thema gezielt ansprechen, wie zum Beispiel der Impact Hub oder Startup-Inkubatoren, und den Wandel antreiben. Der GEM zeigt auch schon, dass es eine Tendenz vom money-driven zu einem value-driven Unternehmertum gibt. Beim Schritt in die Selbstständigkeit geht es immer mehr Menschen darum, einen Beitrag für eine bessere Welt zu leisten und nicht einfach Geld anzuhäufen.

Das beruhigt mich. Denn im Buch Utopia for Realists von Rutger Bregman lese ich aktuell, dass wir in unserem relativen Wohlstand – geschichtlich gesehen – die Utopie, die Vision verloren haben, in welcher Welt wir leben und worauf wir hinarbeiten möchten. Aber du scheinst ja hier eine andere Tendenz festzustellen.

Ja, es gibt beispielsweise im GEM auch eine Kategorie «Family Business», welche im letzten Jahr wieder deutlich zugenommen hat. Hier wird auch ersichtlich, dass die Motivation, das Familienunternehmen zu übernehmen und somit der Wert der Weiterführung einer Tradition, wieder steigt.

Wieso ist Unternehmertum wichtig für Gesellschaft und Planet?

Um eine bessere Gesellschaft zu erreichen, ist jede*r mitverantwortlich. Und Entrepreneurship ist eine Frage des Mindsets. In einem Studium werden die Theorien und Tools vermittelt, die dich in der Entwicklung dieses Entrepreneurial Mindsets unterstützen – das ist unsere raison d’être. Etwa ein Drittel unserer Studierenden macht sich innerhalb von fünf Jahren nach Abschluss selbstständig. Es gibt eine Tendenz, dass viele bei Beginn ihres Studiums in grossen multinationalen Unternehmen arbeiten möchten und dann im Verlauf ihres Studiums sich wieder mehr am Regionalen orientieren – think global, act local. Wenn alle so denken würden, dann hat aus meiner Sicht Entrepreneurship einen riesigen Einfluss auf unsere Gesellschaft. Ein Unternehmen weiterführen und zu übernehmen ist aber ebenso wichtig, wie ein neues Startup zu gründen. Auch Mitarbeitende in grösseren Organisationen können unternehmerisch denken, das nennt man dann «Corporate Entrepreneur».

 

Ein Unternehmen weiterzuführen oder zu übernehmen ist ebenso wichtig, wie ein neues Startup zu gründen.

 

Was charakterisiert eine*n Corporate Entrepreneur?

Diese*r Corporate Entrepreneur, auch Intrapreneur genannt, ist die Person, die innerhalb einer Firma unternehmerisch handelt und denkt. Etwa indem sie Verantwortung übernimmt, hinterfragt, immer nach Verbesserungsmöglichkeiten sucht… kurz gesagt: Initiative zeigt und sich bewusst ist, dass denken gut, aber handeln noch besser ist. So kann jede*r Unternehmer*in werden.

Du bist ja selbst auch Unternehmer. Wenn du morgen die Finanzierung für ein Projekt deiner Wahl garantiert hättest, welche Idee würdest du umsetzen? 

Ja, da ich momentan selbst an einem neuen Startup dran bin, ist die Antwort auf diese Frage für mich ziemlich klar (lacht). Mein Projekt Simon & Josef hat zum Ziel, das Hotelerlebnis zu individualisieren, indem du Ausstattung & Service deines gebuchten Zimmers im Vornherein anpassen kannst. So wird das Erlebnis nicht nur aus Gästesicht befriedigender, es werden auch Ressourcen eingespart, was finanziell und umwelttechnisch Sinn ergibt. Momentan sind wir mitten in der Testphase und kriegen hoffentlich heute unser 20. Zimmer.

Dann drücke ich dir die Daumen! Raphaël, merci viel mal für dieses spannende Gespräch.

Willst du auch mehr erfahren über den National Global Entrepreneurship Monitor? Der GEM 2020/21 ist nun online unter diesem Link verfügbar. Oder hast du auch eine innovative Geschäftsidee am Start? Dann kannst du dich ab sofort um den Lean Innovation Award 2021 bewerben! Es warten Preisgelder im Wert von 24’ooo.- auf dich.

Es ist schon beinahe ein Jubiläum: Seit fast zehn Jahren arbeitet Kevin Geissbühler bei unserer Partnerin UBS, momentan als Kundenberater für die Abteilung Digital Corporate Bank. In der zweiten Ausgabe von «An der Aare mit…» treffe ich mich mit ihm in unserem Outdoor-Büro – dem Bänkli bei den Bären – um herauszufinden, was ihn in seinem Berufsleben momentan bewegt und beschäftigt.

Kevin wartet schon auf uns, die Ledertasche unter den Arm geklemmt, den gutsitzenden Anzug tragend, aber ohne Krawatte, Business casual eben. Dagegen sind Michelle und ich schon etwas underdressed. Symbolisch stehen unsere Outfits für die doch ziemlich unterschiedlichen Umfelder, in denen wir uns zumindest beruflich bewegen. Doch für genau das ist diese Gesprächsreihe ja auch ins Leben gerufen worden: Um einen Einblick in die Welten unserer Partner*innen zu erhalten – und sie in unsere.

Foto: Michelle Bettschen

Lieber Kevin, vielen Dank, dass du dir Zeit für mich genommen hast. Bist du gut in die Woche gestartet?

Vielen Dank für die Einladung! Ich hatte einen sehr guten Wochenstart, danke. Am Morgen, als ich mit dem Zug von Basel hierher gereist bin, hatte ich zwar etwas Angst wegen unserem Interview, weil das Wetter noch nicht so gut aussah. Aber nun: perfekt! Ich habe einen Kafi getrunken und dann ging’s gleich los mit den ersten Terminen.

Was sind deine aktuellen Themen & Aufgaben?

Wir sind aktuell daran, mit unseren Kund*innen den internationalen Zahlungsverkehr anzuschauen. Deshalb haben wir mehrere Kundentermine, die wir wegen Corona als Remote Beratungen durchführen. Das ist ziemlich cool, du kannst deine Präsentation teilen und gemeinsam mit dem Kunden ergänzen. Dies entspricht auch dem Kundenbedürfnis Beratungen flexibler und ortsunabhängiger durchzuführen.

Ich möchte gerne etwas mehr über dich erfahren. Wie würdest du dich mit drei Adjektiven beschreiben?

Neugierig, gesellig und loyal.

Das sieht man auch an deinem beruflichen Hintergrund: Du bist ja schon etwas länger bei der UBS.

Jetzt bald schon habe ich mein zehnjähriges Jubiläum! 

Wow, Gratulation! Wie sah deine berufliche Entwicklung innerhalb der UBS aus?

Ich habe bereits die Lehre bei der UBS absolviert. Dann bekam ich das Angebot, nach der Lehre einem zweijährigen Förderprogramm beizutreten. Da konnte ich in verschiedene Abteilungen reinschauen und sogar einen Sprachaufenthalt machen. Im Rahmen dieses Programms bin ich das erste Mal mit Firmenkund*innen in Kontakt gekommen. Und das hat mir so gut gefallen, dass ich mich entschied, diese Richtung einzuschlagen. Momentan studiere ich ausserdem Betriebsökonomie im achten Semester. Das Studium hilft mir, den Blickwinkel der Kund*innen einzunehmen.

So wurdest du also zum Kundenberater bei der Digital Corporate Bank der UBS. Kannst du uns deine Rolle noch etwas genauer beschreiben?

Die Digital Corporate Bank wurde 2018 ins Leben gerufen. Die UBS will sich dediziert den Kleinunternehmen und Startups widmen. Kund*innenberatung bei der DCB, das hat mehrere Facetten. Ich persönlich bin aktuell im Sales zuständig, also in der Akquise und Weiterentwicklung von Kund*innen. Wir betreuen vor allem Unternehmen, die zwischen 1-10 Mitarbeitende haben.

Was ist die Motivation der UBS, ihre Startup-Förderung wieder auszuweiten?

Startups und Kleinunternehmen sind enorm wichtig für die Schweizer Wirtschaft. Fast 90% des Wirtschaftsstandort Schweiz machen Unternehmen mit 10 oder weniger Mitarbeitenden aus.  Weiter zu beachten ist die ganze Innovationskraft, die aus diesen Unternehmen herauskommt. Jedes grosse Unternehmen war mal klein und als eine der grössten Banken ist es auch unsere Verantwortung, sie in diesem Wachstumsprozess zu unterstützen.

Und wie genau unterstützt ihr sie?

Zum Beispiel haben wir das Bankpaket UBS Start Business, welches speziell auf Jungunternehmer*innen zugeschnitten ist. Aber wir gehen noch einen Schritt weiter: Unser Ziel ist es, Startups ganzheitlich zu beraten. Von der Journey ausgehend, beginnen wir mit Bereitstellung von Businessplan-Vorlagen. Für die Gründung arbeiten die Startups mit unserem Partner Fasoon zusammen. Als nächster Schritt kommen die Bankangelegenheiten, wo wir sie natürlich unterstützen, und die Versicherung, welche sie bei uns bequem und zu attraktiven Konditionen über Zürich Versicherungen abschliessen können. Wir haben eine Ökosystem-Sicht, welche wir in einem stetigen Iterationsprozess analysieren und auf die aktuellen Bedürfnisse von Startups anpassen.

Dann haben sie bei euch also sowas wie einen «Package Deal»?  

Genau, denn wir wollen nicht nur fördern, sondern auch beraten. Mit der StartUp Academy veranstalten wir Virtual Venture Coffees, wo wir Feedback zu Businessplänen geben. Und mit euch, dem Impact Hub, unterstützen wir als Programmpartnerin den Circular Economy Incubator und stellen unseren Mitarbeitenden und den Startups flexible Arbeitsplätze zur Verfügung.

2020 war ein schwieriges Jahr für junge Unternehmen. Wie unterstützt ihr Startups und KMUS während der Pandemie?

Genau, 2020 hat vor allem auch kleinere Unternehmen massiv unter Druck gesetzt. Umso erstaunlicher und beeindruckender war es zu sehen, wie sie neue Wege gefunden haben, um die Herausforderungen zu meistern. Wir waren deshalb auch vorne dabei, die Kreditprogramme möglichst schnell und pragmatisch umzusetzen, damit die Hilfe ankommt und weitergemacht werden kann. Allein bei UBS haben wir beim Überbrückungskredit-Programm von Bund und Banken im vergangenen Jahr über 24 000 Kreditanfragen von Kunden aus der ganzen Schweiz erhalten und unseren Kunden Kredite in der Höhe von 3.3 Milliarden Franken gewährt. Aber punkto Gründungen war 2020 ein Boomjahr.

Wieso, deiner Meinung nach, haben die Neugründungen geboomt?

Vielleicht hat die generelle Unsicherheit den Schritt in die Unsicherheit der Selbstständigkeit kleiner aussehen lassen. Oder vielleicht hatten die Leute durch die Krise Erfahrungen und Erkenntnisse, wie man künftigen Herausforderungen begegnen kann. Wenn man so viel zuhause hockt, dann sprudeln die Ideen.

Nicht alle diese Ideen werden auch in der Umsetzung erfolgreich. Und auch intern kann bestimmt der ein oder andere Fauxpas passieren. Zu dem Thema organisieren ja der Impact Hub Bern und die UBS gemeinsam die FAIL NIGHT, eine Veranstaltung mit dem Motto «Scheitern ist auch eine Option». Wie offen ist die Fehlerkultur innerhalb der UBS?

Wir werden aktiv dazu ermutigt, und aus gemachten Fehlern/Rückschlägen gemeinsam zu lernen, damit diese in der Zukunft vermieden werden können. Das Scheitern, oder Fehler machen war lange in der Gesellschaft ein Tabu. Aber aus meiner Sicht nehmen die Teilnehmenden einer Fail Night wahrscheinlich mehr von einem Anlass mit, als wenn drei gestandene Unternehmer*innen auf der Bühne erzählen würden, was bei ihnen extrem gut gelaufen ist. Es soll eine Motivation sein, wenn man am Anfang steht, dass man nicht gleich beim ersten Fehltritt aufgibt, sondern sich neu ausrichtet und weitergeht. Wir versprechen uns viele spannende Gespräche und die Möglichkeit, neue Menschen und Unternehmen kennenzulernen.

Danke für das Gespräch, wir freuen uns auf die FAIL NIGHT vom 10. Juni 2021.

Möchtest du auch dabei sein? Dann kannst du dich unter diesem Link anmelden. Die Teilnahme an dieser Veranstaltung ist kostenlos.

Foto: Michelle Bettschen

Im Rahmen unserer Partnerschaft stand der Impact Hub Bern der Swisscom tatkräftig in der Aufgleisung und Durchführung des finalen Demo Days der 8. Swisscom StartUp Challenge 5G 2020 Demo Day zur Seite. Jennifer Adam und Stefan Mauron blicken mit uns zurück auf die gesamte Challenge 2020, die innovativen Ansätze der teilnehmenden Startups und ziehen für uns Bilanz.

«Test, Test – hörst du mich?» – «Du bist noch auf mute!» – «Ehm, wie komme ich jetzt hier wieder raus?» – «Wo ist denn hier der Screen-Share-Button?»

Wir alle kennen sie, die Verwirrungen und Strapazen des Kennenlernens eines neuen Videokonferenz-Tools. Doch in diesem Fall hat sich der Aufwand definitiv gelohnt: Mit Hilfe von Airmeet wurde der Demo Day der Swisscom StartUp Challenge 5G 2020 auch als Online-Variante zum Erfolg. Die fünf Gewinner der diesjährigen Challenge hatten so die Möglichkeit ihre Projekte vor einem breiten Publikum virtuell zu präsentieren.

Zainar pitcht auf airmeet

Impact Hub Bern: Liebe Jennifer, lieber Stefan, vielen Dank, dass ihr euch Zeit genommen habt für diesen virtuellen Austausch. Als erstes möchte ich euch etwas besser kennenlernen. Beschreibt euch und eure Rolle bei Swisscom bitte kurz in einigen Stichworten.

Jennifer Adam: Ich arbeite seit fünf Jahren bei Swisscom Digital Business und habe in dieser Zeit verschiedene Startup-Programme begleitet und verantwortet. Zudem unterstütze ich einige unserer Startup-Beteiligungen in Vermarktungsthemen. Ich bin eine Teamplayerin und Networkerin, deswegen sind wohl auch die Innovationspartnerschaften bei mir angesiedelt (schmunzelt). Ich arbeite gerne kreativ und gehe auch mal an meine Grenzen und darüber hinaus. Deshalb lasse ich mich auch schnell von neuen Themen, Arbeitstechniken und Startups inspirieren.

Stefan Mauron: In den letzten sechs Jahren versuchte ich, ein Evangelium für 5G zu machen. Ich sehe mich als eine Art Aufklärer für 5G, vor allem bei Geschäftskund*innen. Wir begannen sehr früh mit dem Bau von Prototypen in der Zusammenarbeit mit Kund*innen, um den Nutzen und die Vorteile von 5G aufzuzeigen, sowie Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Und 6G ist ja auch schon im Anmarsch.

Jennifer, du arbeitest bei Swisscom Digital Business. Kannst du uns erklären, was deine Rolle beinhaltet?

Jennifer: Im Innovation Hub von Swisscom legen wir den Fokus mehrheitlich auf disruptive Innovationen. Das sind Innovationen ausserhalb des Swisscom Kerngeschäfts. Wir suchen neue Märkte, die für die Swisscom spannend sein könnten. FinTech, Blockchain, Trust Services und Digital Assets gehören zu unseren aktuellen Fokusthemen. Zudem unterstützen wir das Kerngeschäft und bringen so Wissen und Startup-Know-How transversal in die Swisscom ein. In meinem Team explorieren wir neue Themen und arbeiten dafür eng mit Startups zusammen, beispielsweise in Programmen wie der Swisscom StartUp Challenge.

Regula interviewt Jennifer via Zoom

Soeben habt ihr die Swisscom Startup Challenge 2020 mit dem Demo Day abgerundet. Was hat euch dazu bewegt, diese Challenge ins Leben zu rufen?

Jennifer: Sie ist einerseits ein Instrument, um Startups auf dem Markt zu identifizieren. Andererseits inspirieren die Startups uns bei Swisscom und fördern so die Innovation im Unternehmen. Natürlich besteht auch immer die Option einer potentiellen Zusammenarbeit, sei das in Form einer Partnerschaft, der Lancierung eines gemeinsamen Produktes, einer finanziellen Förderung, oder der Vernetzung mit unserem Netzwerk. Die Zusammenarbeit und Nähe mit den Startups während dem ganzen Prozess hat obersten Stellenwert.

Ausserdem ist sie eine Plattform, um unsere Startup-Förderung bekannter zu machen. Wir fördern ja Jungunternehmen nicht nur durch Programme wie die Swisscom Startup Challenge, sondern auch durch Startup-Produkte. Die Swisscom Startup Challenge war eine der ersten ihrer Art in der Schweiz und die Swisscom übernahm eine Pionierrolle im Angebot von spezifischen Startup-Produkten. Heute können wir auf eine starke Verankerung sowie eine langjährige Erfahrung unseres Startup-Teams zurückgreifen, was sehr wertvoll ist.

Der Fokus der diesjährigen Challenge war 5G. Wieso habt ihr genau dieses Thema gewählt?

Jennifer: 5G ist ein sehr breites Thema. Wir haben uns lange überlegt, ob wir es noch stärker eingrenzen wollen. Aber da es eine neue Technologie ist, wollten wir herausfinden, aus welchen Perspektiven Startups dieses Thema angehen. Das ergab einen bunten Blumenstrauss an Ideen und Projekten. So konnten wir aufzeigen, dass das vielerorts mit Skepsis betrachtete Thema auch viele Chancen eröffnet. Ausserdem wollten wir den Vorteil nutzen, dass wir in der Schweiz bereits ein 5G-Netz aufgebaut haben, auf dem die Startups ihre Ideen testen können.

Stefan: Das Ziel hier war, ein bisschen zu spüren, wohin die Startups sich entwickeln; wo sie die Möglichkeiten von 5G sehen. So sind wir näher am Puls der Zeit. Oftmals laufen wir mit den Scheuklappen unserer Industrie durch den Markt. Deshalb ist es immer wieder erfrischend, mit Firmen zusammenzuarbeiten, die diese Scheuklappen nicht haben, sie dann zu fördern und ihnen vielleicht sogar zum Durchbruch zu verhelfen.

Stefan, du bist ein selbsternannter 5G-Evangelist. Kannst du uns in einfachen Worten erklären, was 5G denn nun eigentlich genau ist?

Stefan: Nun, das ist eigentlich ziemlich einfach. Es ist genau so wie 4G, nur mit mehr Bandbreite, tieferen Latenzen, mehr Geräten pro Zelle, sowie einem tieferen Batterieverbrauch. Das Anwendungsfeld wird dadurch massiv erweitert. Eine gute Analogie ist die Einführung des iPhones – vom kleinen zum grossen Bildschirm mit Touch-Display. Die Applikationen, also das, was im App Store verfügbar ist, werden dann in den Folgejahren erwartet. So wird es auch bei 5G sein.

Wagen wir uns ein wenig auf die Äste hinaus: Was würdest du einer Person sagen, die skeptisch oder kritisch gegenüber 5G ist? Wie würdest du sie oder ihn vom Nutzen von 5G überzeugen?

Stefan: Ich würde viel eher Aufklärung betreiben, anstatt den Nutzen von 5G hervorzuheben. Da müssen wir uns selbst – und die ganze Industrie in Europa – an der Nase nehmen. Wir haben es verpasst, kritische Stimmen ernst zu nehmen. Wir dachten, das sei wie bei der Einführung von 3G, beziehungsweise 4G, ein temporäres Aufbauschen und Abflauen. Aber die Stimmen, zusätzlich verstärkt durch Social Media, sind stetig lauter geworden. Wir hätten viel früher Aufklärung betreiben und die Fakten aufzeigen sollen.

Und die Fakten sind: Wir gehen nicht in unbekannte Frequenzbereiche. Jedes WLAN strahlt im Bereich 2.4 GH oder 5 GHz und 5G ist “nur” auf 3.5 GHz. Das Modulationsverfahren ist dasselbe. Und ganz wichtig: Millimeterwellen sind bei 5G (noch) kein Thema. Die Mehrheit von uns setzt sich zuhause Strahlung aus, sei es durch Wi-Fi, Bluetooth etc. Das scheint ja offensichtlich kein Problem zu sein, und ist auch keines, wenn man die Mechanismen dahinter kennt. Der Effekt ist derselbe wie bei der Mikrowelle, das heisst, Moleküle, die sich reiben und so Wärmeenergie erzeugen. Das ist der thermische Effekt, den wir spüren, wenn wir unser Mobiltelefon nahe am Ohr haben. Ansonsten ist Strahlung in diesen Feldern unbedenklich, was zahlreiche Studien belegen. Um beim Mobilfunk zu bleiben: Die grösste Strahlungsquelle ist das Handy und nicht der Mobilfunkmast.

Vielen Dank für deine Ausführungen. Zurück zur Swisscom Startup Challenge: Kannst du uns etwas mehr über die Startups erzählen, die als Gewinner*innen am diesjährigen Demo Day dabei waren?

Stefan: Wir hatten einen ausgewogenen Mix: Ein Drohnen-Projekt im Sicherheits- und Überwachungsbereich mit Fotokite, ferngesteuerte, schwere Maschinen mit dem Robotics Systems Lab der ETH, Quiio mit Internet-of-Things-Lösungen, Hegias mit einer Virtual-Reality- und Augmented Reality-Lösung, und mit ZaiNar eine Positionierungs-/ Lokalisierungs-Lösung, die ohne GPS auskommt. Es ist also eine sehr schöne 360-Grad-Sicht dessen, was 5G ermöglicht und hoffentlich viele junge, aber auch eingesessene Unternehmen dazu inspirieren wird, diesen Weg der Entwicklung zu gehen. Uns als Swisscom gibt es den Anstoss, in bestimmten Gebieten innerhalb von 5G den Lead zu übernehmen.

Winners of Swisscom StartUp Challenge 5G 2020

Wie geht es mit diesen Startups weiter, nun, da die Challenge vorbei ist?

Stefan: Dass die Challenge nun zu Ende ist, bedeutet für die Startups keineswegs das Ende der Zusammenarbeit mit Swisscom. Im Gegenteil: Für viele ist es der Beginn einer Partnerschaft. Das haben wir uns auch so gewünscht. Wie diese möglichen Partnerschaften aussehen werden, wird sich zeigen.

Welchen Einfluss hatte die Pandemie auf die Swisscom Startup Challenge 2020?

Jennifer: Wir mussten die verschiedenen Aktivitäten und Events sehr bald einmal in Online-Formate umwandeln. Die grösste Herausforderung dabei war, herauszufinden, wie die Interaktion mit den fünf Gewinner-Projekten aussehen soll. Umso beeindruckender war es zu sehen, wie viel entstanden ist und wie gut die Zusammenarbeit online funktionierte. An dieser Stelle: Hut ab vor dem ganzen Team, das dies möglich gemacht hat! Der physische Kontakt wäre sicher bevorzugt gewesen, aber wir haben bewiesen, dass es auch ohne geht. Die Phase der Zusammenarbeit wurde sogar ausgedehnt, wir haben zwei Monate früher als sonst begonnen. Diese verlängerte Explorationsphase werden wir sicher auch in Zukunft beibehalten. Auch die Zuteilung von Pat*innen, die eine Expertise im jeweiligen Themengebiet haben, werden wir ins nächste Jahr mitnehmen. Diese Ausgabe war massgeschneiderter als vorherige und dadurch für die Startups (hoffentlich) sehr zielführend. Aber der soziale Austausch untereinander, welcher die Swisscom Startup Challenge prägt, hat gefehlt und konnte mit keinem Tool ersetzt werden.

Stefan: Dem stimme ich gerne zu: Ganz auf physische Events in der Zukunft zu verzichten, ist auch für mich keine Option, da ich den persönlichen Austausch schon sehr schätze. Und trotzdem: Das Ergebnis, welches wir erreicht haben, lässt sich sehen.

Nach diesem erfolgreichem Abschluss seid ihr ja auch bereits in der Planung für die nächste Ausgabe. Könnt ihr uns bereits verraten, wie die Swisscom Startup Challenge 2021 aussehen wird?

Jennifer: Wir werden Mitte Mai zum Thema Security europaweit ausschreiben. Wir werden Anwendungen suchen, die der Sicherheit unserer Kund*innen, sowie der Swisscom selbst dienen. Wie das genau aussehen wird? Davon könnt ihr euch gerne überraschen lassen!

Jennifer, Stefan und Regula im Gespräch

Übrigens: Wer gerne mehr über die Swisscom StartUp Challenge wissen möchte, findet hier alle Informationen. Und: Möchtest du mehr über eine Partnerschaft  mit dem Impact Hub Bern und unsere Angebote erfahren? Dann kontaktiere uns hier!

Das PFLab, das Innovationslabor der PostFinance, ist ein langjähriger Partner des Impact Hub Berns. Olivier Weiss erzählt uns im Gespräch, welche Themen ihn und das PFLab-Team aktuell beschäftigen, was seine Rolle darin beinhaltet, was er am Home Office schätzt – und was weniger.

Wir treffen Olivier Weiss an einem milchigen Mittwochnachmittag ganz klischeemässig bei den Berner Bären. «Ehm, sorry, bisch du dr Olivier?» – «Ja, vou». Ellenbogen-Schütteln und ein verlegenes Lächeln zur Begrüssung. Man ist es sich echt nicht mehr gewohnt, neue Leute zu treffen. Auf der Suche nach einem ruhigen Ort für unser Gespräch steigen wir die lange Treppe zur Aare hinab und machen es uns auf einem Bänkli bequem. Ohne viel Geschnörkel kommen wir gleich zur Sache.

Interview mit Olivier Weiss

Impact Hub Bern: Olivier, wer bist du? Beschreibe dich mit drei Adjektiven.

Olivier Weiss: Lustig, locker und weltoffen.

Deine Leidenschaft in einem Wort. Was fasziniert dich?

Mehr als ein Wort: Die kleinen schönen Dinge im Leben zu schätzen und zu schauen, dass alle happy sind. Ich bin sehr harmoniebedürftig und mir ist es auch wichtig, dass alle Menschen fair behandelt werden.

Du arbeitest seit September 2020 beim PFLab. Was ist deine Rolle innerhalb des Teams?

Ich arbeite beim Innovationslabor der PostFinance, als Teil der Abteilung «Future Banking & Innovation». Einerseits bin ich Co-Lead im Thema «Trends and Foresight» mit Alice dal Fuoco. Wir schauen Trends an, erarbeiten den Foresight-Prozess und sehen zu, dass auch wir selbst nach diesem Prozess vorgehen. Und andererseits beschäftige ich mich mit dem Thema «Open Innovation» – wohl auch der Grund wieso ich vom Hub nun interviewt werde. Bei diesem Thema geht es darum, dass wir mit Hochschulen und Universitäten, Startups, Acceleratoren wie Kickstart oder mit Organisationen wie dem Impact Hub Bern, die Partnerschaft suchen und für diesen Austausch garantieren.

Open Innovation und Design Thinking. Solche Begriffe werden heute oft als Buzzwords verwendet, aber da steckt ja so viel mehr dahinter. Welche Methoden und Arbeitsweisen werden im PFLab angewendet?

Nachdem wir nach Trends gesucht und versucht haben abzuschätzen, was für uns relevant ist , geht es in den Prozess der Ideenentwicklung. Research, Leute interviewen, Ideen generieren, Prototyping – hier ist schon das erste Buzzword (schmunzelt) – da wir oft mit unantastbaren Themen zu tun haben, versuchen wir schnell herauszufinden, ob unsere Hypothesen stimmen, ob die Ideen ankommen. Das ist im Grossen und Ganzen der vorgelagerte Design Thinking-Prozess.

Und wie geht ihr vor, um das herauszufinden?

Von Projekt zu Projekt sehr unterschiedlich. Kürzlich hatten wir einen Prototypen, eine App, die wir intern getestet haben. Wir haben es gebraucht, geschaut, was uns gefällt, was funktioniert und was noch nicht so rund läuft. So versuchten wir herauszufinden, wo noch Hürden bestehen. Es kann auch sein, dass wir eine Idee nicht ausschliesslich selbst entwickeln, sondern dass wir sehen: Hey, dieses Startup ist an etwas Ähnlichem dran, vielleicht können wir gemeinsam unser Ziel erreichen. Das ist für die Startups auch etwas Gutes, da sie dadurch ein breiteres Publikum und finanzielle Mittel erhalten.

Du hast gerade von vielen spannenden Projekten und Erfolgen geredet. Aber, Hand aufs Herz: Geht’s auch mal daneben? Ihr veröffentlicht ja bald ein Failbook.

Das Buch gibt es schon länger, aber jetzt kommt es endlich richtig in den Handel. Zusammen mit dem Successbook, seinem Pendant. Aber ja, offen mit Rückschlägen oder Fails umzugehen ist uns sehr wichtig, das wird auch so gelebt.

Als Beispiel: Wir haben einmal pro Monat ein Projekt-Gate. Da kommt jemand mit einer Idee hin, die schon weiter ausgearbeitet ist, und stellt sie vor dem ganzen Team innerhalb von fünf Minuten vor. Bei diesem Gate kann, muss aber nicht, ein gewisses Budget gesprochen und die Idee durchgewunken werden. Danach kommt das zweite Gate, wo man vor einem weiteren Gremium präsentiert. Wenn das Leitungsgremium unserer Unit findet, dass das Projekt nicht im Fokus der PostFinance steht oder aus anderen Gründen gestoppt werden soll, dann muss man das Navi neu einstellen – love it, leave it, change it, ist das Mantra. Das ist auch das Zeichen, das wir mit diesem Failbook setzen möchten.

Das Buch soll also eine Ermutigung sein? 

Auf der einen Seite, ja. Aber es soll auch die Augen öffnen und zeigen dass nicht jedes Unternehmen nur Erfolge feiert. Auch Apple hat sicher einige Fails in ihrem Archiv. Innovation ist ja bis zu einem gewissen Punkt auch Risiko. Mut ist da ein wichtiges Stichwort – der Mut, Ideen zu verwerfen.

Olivier Weiss erklärt Sol Kislig Open Innovation

Offene Fehlerkultur, der Mut, das Neue als Chance zu sehen – das klingt ganz nach New Work, PostFinance’s Antwort auf gesellschaftlichen Wandel und Digitalisierung. Erklärst du uns kurz, was genau New Work sonst noch beinhaltet? 

Mit dem Impact Hub Bern haben wir die Serie SkillShare für uns ins Leben gerufen. Hier ist der Fokus «Community Building». Das hat auch mit New Work zu tun, vor allem in der heutigen Zeit mit Home Office. Da ist es wichtig, eine gewisse Art von Zusammenarbeit zu definieren. Nicht, dass da jede*r zuhause für sich etwas vor sich hinbrösmelet.

Hast du manchmal auch Momente in denen du merkst, okay, jetzt kann ich gerade gar nicht produktiv sein? Wenn ja, was sind deine Tipps und Strategien, um damit umzugehen?

Ja, auf jeden Fall. Was ich mir gemacht habe ist ein physisches Kanban-Board mit Post-Its and der Wand – «To do», «doing», «done». Vorher fehlte  mir irgendwie diese Übersicht. Jetzt kann ich einfach schnell, wenn irgendwas reinkommt, via Email oder so, es auf ein Post-It schreiben, an die Wand kleben – und gut ist. Das hilft mir sicher. Und am morgen kurz vor meine Wand stehen, und schauen, was heute gemacht werden muss.

Ich habe das Gefühl, dass ich von dieser Flexibilität auch profitiere. Da frage ich mich schon manchmal: Was mache ich, wenn wir wieder zurück ins Büro können? Ich habe schon viel gehört: “Ich glaube nicht, dass es wieder so wird, wie vorher.” Aber diesbezüglich, besonders in Sachen Lebensqualität, denke ich hat man schon sehr dazu gewonnen. Trotzdem freue ich mich, wenn ich wieder mit Kollegen physisch in unserem Lab bin und mich mit ihnen “live” austauschen kann.

Vielen Dank Olivier, dass du dir Zeit für diese spannende Gespräch genommen und uns einen Einblick in die Welt des PFLabs gewährt hast!

P.s. Hier kannst du das Failbook vorbestellen
P.P.s. Möchtest du mehr über eine Partnerschaft  mit dem Impact Hub Bern und unsere Angebote erfahren? Dann kontaktiere uns hier!