An der Aare mit: Olivier Weiss vom PFLab
18 March 2021 - Sol Kislig

Das PFLab, das Innovationslabor der PostFinance, ist ein langjähriger Partner des Impact Hub Berns. Olivier Weiss erzählt uns im Gespräch, welche Themen ihn und das PFLab-Team aktuell beschäftigen, was seine Rolle darin beinhaltet, was er am Home Office schätzt – und was weniger.

Wir treffen Olivier Weiss an einem milchigen Mittwochnachmittag ganz klischeemässig bei den Berner Bären. «Ehm, sorry, bisch du dr Olivier?» – «Ja, vou». Ellenbogen-Schütteln und ein verlegenes Lächeln zur Begrüssung. Man ist es sich echt nicht mehr gewohnt, neue Leute zu treffen. Auf der Suche nach einem ruhigen Ort für unser Gespräch steigen wir die lange Treppe zur Aare hinab und machen es uns auf einem Bänkli bequem. Ohne viel Geschnörkel kommen wir gleich zur Sache.

Interview mit Olivier Weiss

Impact Hub Bern: Olivier, wer bist du? Beschreibe dich mit drei Adjektiven.

Olivier Weiss: Lustig, locker und weltoffen.

Deine Leidenschaft in einem Wort. Was fasziniert dich?

Mehr als ein Wort: Die kleinen schönen Dinge im Leben zu schätzen und zu schauen, dass alle happy sind. Ich bin sehr harmoniebedürftig und mir ist es auch wichtig, dass alle Menschen fair behandelt werden.

Du arbeitest seit September 2020 beim PFLab. Was ist deine Rolle innerhalb des Teams?

Ich arbeite beim Innovationslabor der PostFinance, als Teil der Abteilung «Future Banking & Innovation». Einerseits bin ich Co-Lead im Thema «Trends and Foresight» mit Alice dal Fuoco. Wir schauen Trends an, erarbeiten den Foresight-Prozess und sehen zu, dass auch wir selbst nach diesem Prozess vorgehen. Und andererseits beschäftige ich mich mit dem Thema «Open Innovation» – wohl auch der Grund wieso ich vom Hub nun interviewt werde. Bei diesem Thema geht es darum, dass wir mit Hochschulen und Universitäten, Startups, Acceleratoren wie Kickstart oder mit Organisationen wie dem Impact Hub Bern, die Partnerschaft suchen und für diesen Austausch garantieren.

Open Innovation und Design Thinking. Solche Begriffe werden heute oft als Buzzwords verwendet, aber da steckt ja so viel mehr dahinter. Welche Methoden und Arbeitsweisen werden im PFLab angewendet?

Nachdem wir nach Trends gesucht und versucht haben abzuschätzen, was für uns relevant ist , geht es in den Prozess der Ideenentwicklung. Research, Leute interviewen, Ideen generieren, Prototyping – hier ist schon das erste Buzzword (schmunzelt) – da wir oft mit unantastbaren Themen zu tun haben, versuchen wir schnell herauszufinden, ob unsere Hypothesen stimmen, ob die Ideen ankommen. Das ist im Grossen und Ganzen der vorgelagerte Design Thinking-Prozess.

Und wie geht ihr vor, um das herauszufinden?

Von Projekt zu Projekt sehr unterschiedlich. Kürzlich hatten wir einen Prototypen, eine App, die wir intern getestet haben. Wir haben es gebraucht, geschaut, was uns gefällt, was funktioniert und was noch nicht so rund läuft. So versuchten wir herauszufinden, wo noch Hürden bestehen. Es kann auch sein, dass wir eine Idee nicht ausschliesslich selbst entwickeln, sondern dass wir sehen: Hey, dieses Startup ist an etwas Ähnlichem dran, vielleicht können wir gemeinsam unser Ziel erreichen. Das ist für die Startups auch etwas Gutes, da sie dadurch ein breiteres Publikum und finanzielle Mittel erhalten.

Du hast gerade von vielen spannenden Projekten und Erfolgen geredet. Aber, Hand aufs Herz: Geht’s auch mal daneben? Ihr veröffentlicht ja bald ein Failbook.

Das Buch gibt es schon länger, aber jetzt kommt es endlich richtig in den Handel. Zusammen mit dem Successbook, seinem Pendant. Aber ja, offen mit Rückschlägen oder Fails umzugehen ist uns sehr wichtig, das wird auch so gelebt.

Als Beispiel: Wir haben einmal pro Monat ein Projekt-Gate. Da kommt jemand mit einer Idee hin, die schon weiter ausgearbeitet ist, und stellt sie vor dem ganzen Team innerhalb von fünf Minuten vor. Bei diesem Gate kann, muss aber nicht, ein gewisses Budget gesprochen und die Idee durchgewunken werden. Danach kommt das zweite Gate, wo man vor einem weiteren Gremium präsentiert. Wenn das Leitungsgremium unserer Unit findet, dass das Projekt nicht im Fokus der PostFinance steht oder aus anderen Gründen gestoppt werden soll, dann muss man das Navi neu einstellen – love it, leave it, change it, ist das Mantra. Das ist auch das Zeichen, das wir mit diesem Failbook setzen möchten.

Das Buch soll also eine Ermutigung sein? 

Auf der einen Seite, ja. Aber es soll auch die Augen öffnen und zeigen dass nicht jedes Unternehmen nur Erfolge feiert. Auch Apple hat sicher einige Fails in ihrem Archiv. Innovation ist ja bis zu einem gewissen Punkt auch Risiko. Mut ist da ein wichtiges Stichwort – der Mut, Ideen zu verwerfen.

Olivier Weiss erklärt Sol Kislig Open Innovation

Offene Fehlerkultur, der Mut, das Neue als Chance zu sehen – das klingt ganz nach New Work, PostFinance’s Antwort auf gesellschaftlichen Wandel und Digitalisierung. Erklärst du uns kurz, was genau New Work sonst noch beinhaltet? 

Mit dem Impact Hub Bern haben wir die Serie SkillShare für uns ins Leben gerufen. Hier ist der Fokus «Community Building». Das hat auch mit New Work zu tun, vor allem in der heutigen Zeit mit Home Office. Da ist es wichtig, eine gewisse Art von Zusammenarbeit zu definieren. Nicht, dass da jede*r zuhause für sich etwas vor sich hinbrösmelet.

Hast du manchmal auch Momente in denen du merkst, okay, jetzt kann ich gerade gar nicht produktiv sein? Wenn ja, was sind deine Tipps und Strategien, um damit umzugehen?

Ja, auf jeden Fall. Was ich mir gemacht habe ist ein physisches Kanban-Board mit Post-Its and der Wand – «To do», «doing», «done». Vorher fehlte  mir irgendwie diese Übersicht. Jetzt kann ich einfach schnell, wenn irgendwas reinkommt, via Email oder so, es auf ein Post-It schreiben, an die Wand kleben – und gut ist. Das hilft mir sicher. Und am morgen kurz vor meine Wand stehen, und schauen, was heute gemacht werden muss.

Ich habe das Gefühl, dass ich von dieser Flexibilität auch profitiere. Da frage ich mich schon manchmal: Was mache ich, wenn wir wieder zurück ins Büro können? Ich habe schon viel gehört: “Ich glaube nicht, dass es wieder so wird, wie vorher.” Aber diesbezüglich, besonders in Sachen Lebensqualität, denke ich hat man schon sehr dazu gewonnen. Trotzdem freue ich mich, wenn ich wieder mit Kollegen physisch in unserem Lab bin und mich mit ihnen “live” austauschen kann.

Vielen Dank Olivier, dass du dir Zeit für diese spannende Gespräch genommen und uns einen Einblick in die Welt des PFLabs gewährt hast!

P.s. Hier kannst du das Failbook vorbestellen
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