Die 8. Swisscom StartUp Challenge 5G 2020: Rückblick mit Jennifer und Stefan
22 April 2021 - Sol Kislig

Im Rahmen unserer Partnerschaft stand der Impact Hub Bern der Swisscom tatkräftig in der Aufgleisung und Durchführung des finalen Demo Days der 8. Swisscom StartUp Challenge 5G 2020 Demo Day zur Seite. Jennifer Adam und Stefan Mauron blicken mit uns zurück auf die gesamte Challenge 2020, die innovativen Ansätze der teilnehmenden Startups und ziehen für uns Bilanz.

«Test, Test – hörst du mich?» – «Du bist noch auf mute!» – «Ehm, wie komme ich jetzt hier wieder raus?» – «Wo ist denn hier der Screen-Share-Button?»

Wir alle kennen sie, die Verwirrungen und Strapazen des Kennenlernens eines neuen Videokonferenz-Tools. Doch in diesem Fall hat sich der Aufwand definitiv gelohnt: Mit Hilfe von Airmeet wurde der Demo Day der Swisscom StartUp Challenge 5G 2020 auch als Online-Variante zum Erfolg. Die fünf Gewinner der diesjährigen Challenge hatten so die Möglichkeit ihre Projekte vor einem breiten Publikum virtuell zu präsentieren.

Zainar pitcht auf airmeet

Impact Hub Bern: Liebe Jennifer, lieber Stefan, vielen Dank, dass ihr euch Zeit genommen habt für diesen virtuellen Austausch. Als erstes möchte ich euch etwas besser kennenlernen. Beschreibt euch und eure Rolle bei Swisscom bitte kurz in einigen Stichworten.

Jennifer Adam: Ich arbeite seit fünf Jahren bei Swisscom Digital Business und habe in dieser Zeit verschiedene Startup-Programme begleitet und verantwortet. Zudem unterstütze ich einige unserer Startup-Beteiligungen in Vermarktungsthemen. Ich bin eine Teamplayerin und Networkerin, deswegen sind wohl auch die Innovationspartnerschaften bei mir angesiedelt (schmunzelt). Ich arbeite gerne kreativ und gehe auch mal an meine Grenzen und darüber hinaus. Deshalb lasse ich mich auch schnell von neuen Themen, Arbeitstechniken und Startups inspirieren.

Stefan Mauron: In den letzten sechs Jahren versuchte ich, ein Evangelium für 5G zu machen. Ich sehe mich als eine Art Aufklärer für 5G, vor allem bei Geschäftskund*innen. Wir begannen sehr früh mit dem Bau von Prototypen in der Zusammenarbeit mit Kund*innen, um den Nutzen und die Vorteile von 5G aufzuzeigen, sowie Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Und 6G ist ja auch schon im Anmarsch.

Jennifer, du arbeitest bei Swisscom Digital Business. Kannst du uns erklären, was deine Rolle beinhaltet?

Jennifer: Im Innovation Hub von Swisscom legen wir den Fokus mehrheitlich auf disruptive Innovationen. Das sind Innovationen ausserhalb des Swisscom Kerngeschäfts. Wir suchen neue Märkte, die für die Swisscom spannend sein könnten. FinTech, Blockchain, Trust Services und Digital Assets gehören zu unseren aktuellen Fokusthemen. Zudem unterstützen wir das Kerngeschäft und bringen so Wissen und Startup-Know-How transversal in die Swisscom ein. In meinem Team explorieren wir neue Themen und arbeiten dafür eng mit Startups zusammen, beispielsweise in Programmen wie der Swisscom StartUp Challenge.

Regula interviewt Jennifer via Zoom

Soeben habt ihr die Swisscom Startup Challenge 2020 mit dem Demo Day abgerundet. Was hat euch dazu bewegt, diese Challenge ins Leben zu rufen?

Jennifer: Sie ist einerseits ein Instrument, um Startups auf dem Markt zu identifizieren. Andererseits inspirieren die Startups uns bei Swisscom und fördern so die Innovation im Unternehmen. Natürlich besteht auch immer die Option einer potentiellen Zusammenarbeit, sei das in Form einer Partnerschaft, der Lancierung eines gemeinsamen Produktes, einer finanziellen Förderung, oder der Vernetzung mit unserem Netzwerk. Die Zusammenarbeit und Nähe mit den Startups während dem ganzen Prozess hat obersten Stellenwert.

Ausserdem ist sie eine Plattform, um unsere Startup-Förderung bekannter zu machen. Wir fördern ja Jungunternehmen nicht nur durch Programme wie die Swisscom Startup Challenge, sondern auch durch Startup-Produkte. Die Swisscom Startup Challenge war eine der ersten ihrer Art in der Schweiz und die Swisscom übernahm eine Pionierrolle im Angebot von spezifischen Startup-Produkten. Heute können wir auf eine starke Verankerung sowie eine langjährige Erfahrung unseres Startup-Teams zurückgreifen, was sehr wertvoll ist.

Der Fokus der diesjährigen Challenge war 5G. Wieso habt ihr genau dieses Thema gewählt?

Jennifer: 5G ist ein sehr breites Thema. Wir haben uns lange überlegt, ob wir es noch stärker eingrenzen wollen. Aber da es eine neue Technologie ist, wollten wir herausfinden, aus welchen Perspektiven Startups dieses Thema angehen. Das ergab einen bunten Blumenstrauss an Ideen und Projekten. So konnten wir aufzeigen, dass das vielerorts mit Skepsis betrachtete Thema auch viele Chancen eröffnet. Ausserdem wollten wir den Vorteil nutzen, dass wir in der Schweiz bereits ein 5G-Netz aufgebaut haben, auf dem die Startups ihre Ideen testen können.

Stefan: Das Ziel hier war, ein bisschen zu spüren, wohin die Startups sich entwickeln; wo sie die Möglichkeiten von 5G sehen. So sind wir näher am Puls der Zeit. Oftmals laufen wir mit den Scheuklappen unserer Industrie durch den Markt. Deshalb ist es immer wieder erfrischend, mit Firmen zusammenzuarbeiten, die diese Scheuklappen nicht haben, sie dann zu fördern und ihnen vielleicht sogar zum Durchbruch zu verhelfen.

Stefan, du bist ein selbsternannter 5G-Evangelist. Kannst du uns in einfachen Worten erklären, was 5G denn nun eigentlich genau ist?

Stefan: Nun, das ist eigentlich ziemlich einfach. Es ist genau so wie 4G, nur mit mehr Bandbreite, tieferen Latenzen, mehr Geräten pro Zelle, sowie einem tieferen Batterieverbrauch. Das Anwendungsfeld wird dadurch massiv erweitert. Eine gute Analogie ist die Einführung des iPhones – vom kleinen zum grossen Bildschirm mit Touch-Display. Die Applikationen, also das, was im App Store verfügbar ist, werden dann in den Folgejahren erwartet. So wird es auch bei 5G sein.

Wagen wir uns ein wenig auf die Äste hinaus: Was würdest du einer Person sagen, die skeptisch oder kritisch gegenüber 5G ist? Wie würdest du sie oder ihn vom Nutzen von 5G überzeugen?

Stefan: Ich würde viel eher Aufklärung betreiben, anstatt den Nutzen von 5G hervorzuheben. Da müssen wir uns selbst – und die ganze Industrie in Europa – an der Nase nehmen. Wir haben es verpasst, kritische Stimmen ernst zu nehmen. Wir dachten, das sei wie bei der Einführung von 3G, beziehungsweise 4G, ein temporäres Aufbauschen und Abflauen. Aber die Stimmen, zusätzlich verstärkt durch Social Media, sind stetig lauter geworden. Wir hätten viel früher Aufklärung betreiben und die Fakten aufzeigen sollen.

Und die Fakten sind: Wir gehen nicht in unbekannte Frequenzbereiche. Jedes WLAN strahlt im Bereich 2.4 GH oder 5 GHz und 5G ist “nur” auf 3.5 GHz. Das Modulationsverfahren ist dasselbe. Und ganz wichtig: Millimeterwellen sind bei 5G (noch) kein Thema. Die Mehrheit von uns setzt sich zuhause Strahlung aus, sei es durch Wi-Fi, Bluetooth etc. Das scheint ja offensichtlich kein Problem zu sein, und ist auch keines, wenn man die Mechanismen dahinter kennt. Der Effekt ist derselbe wie bei der Mikrowelle, das heisst, Moleküle, die sich reiben und so Wärmeenergie erzeugen. Das ist der thermische Effekt, den wir spüren, wenn wir unser Mobiltelefon nahe am Ohr haben. Ansonsten ist Strahlung in diesen Feldern unbedenklich, was zahlreiche Studien belegen. Um beim Mobilfunk zu bleiben: Die grösste Strahlungsquelle ist das Handy und nicht der Mobilfunkmast.

Vielen Dank für deine Ausführungen. Zurück zur Swisscom Startup Challenge: Kannst du uns etwas mehr über die Startups erzählen, die als Gewinner*innen am diesjährigen Demo Day dabei waren?

Stefan: Wir hatten einen ausgewogenen Mix: Ein Drohnen-Projekt im Sicherheits- und Überwachungsbereich mit Fotokite, ferngesteuerte, schwere Maschinen mit dem Robotics Systems Lab der ETH, Quiio mit Internet-of-Things-Lösungen, Hegias mit einer Virtual-Reality- und Augmented Reality-Lösung, und mit ZaiNar eine Positionierungs-/ Lokalisierungs-Lösung, die ohne GPS auskommt. Es ist also eine sehr schöne 360-Grad-Sicht dessen, was 5G ermöglicht und hoffentlich viele junge, aber auch eingesessene Unternehmen dazu inspirieren wird, diesen Weg der Entwicklung zu gehen. Uns als Swisscom gibt es den Anstoss, in bestimmten Gebieten innerhalb von 5G den Lead zu übernehmen.

Winners of Swisscom StartUp Challenge 5G 2020

Wie geht es mit diesen Startups weiter, nun, da die Challenge vorbei ist?

Stefan: Dass die Challenge nun zu Ende ist, bedeutet für die Startups keineswegs das Ende der Zusammenarbeit mit Swisscom. Im Gegenteil: Für viele ist es der Beginn einer Partnerschaft. Das haben wir uns auch so gewünscht. Wie diese möglichen Partnerschaften aussehen werden, wird sich zeigen.

Welchen Einfluss hatte die Pandemie auf die Swisscom Startup Challenge 2020?

Jennifer: Wir mussten die verschiedenen Aktivitäten und Events sehr bald einmal in Online-Formate umwandeln. Die grösste Herausforderung dabei war, herauszufinden, wie die Interaktion mit den fünf Gewinner-Projekten aussehen soll. Umso beeindruckender war es zu sehen, wie viel entstanden ist und wie gut die Zusammenarbeit online funktionierte. An dieser Stelle: Hut ab vor dem ganzen Team, das dies möglich gemacht hat! Der physische Kontakt wäre sicher bevorzugt gewesen, aber wir haben bewiesen, dass es auch ohne geht. Die Phase der Zusammenarbeit wurde sogar ausgedehnt, wir haben zwei Monate früher als sonst begonnen. Diese verlängerte Explorationsphase werden wir sicher auch in Zukunft beibehalten. Auch die Zuteilung von Pat*innen, die eine Expertise im jeweiligen Themengebiet haben, werden wir ins nächste Jahr mitnehmen. Diese Ausgabe war massgeschneiderter als vorherige und dadurch für die Startups (hoffentlich) sehr zielführend. Aber der soziale Austausch untereinander, welcher die Swisscom Startup Challenge prägt, hat gefehlt und konnte mit keinem Tool ersetzt werden.

Stefan: Dem stimme ich gerne zu: Ganz auf physische Events in der Zukunft zu verzichten, ist auch für mich keine Option, da ich den persönlichen Austausch schon sehr schätze. Und trotzdem: Das Ergebnis, welches wir erreicht haben, lässt sich sehen.

Nach diesem erfolgreichem Abschluss seid ihr ja auch bereits in der Planung für die nächste Ausgabe. Könnt ihr uns bereits verraten, wie die Swisscom Startup Challenge 2021 aussehen wird?

Jennifer: Wir werden Mitte Mai zum Thema Security europaweit ausschreiben. Wir werden Anwendungen suchen, die der Sicherheit unserer Kund*innen, sowie der Swisscom selbst dienen. Wie das genau aussehen wird? Davon könnt ihr euch gerne überraschen lassen!

Jennifer, Stefan und Regula im Gespräch

Übrigens: Wer gerne mehr über die Swisscom StartUp Challenge wissen möchte, findet hier alle Informationen. Und: Möchtest du mehr über eine Partnerschaft  mit dem Impact Hub Bern und unsere Angebote erfahren? Dann kontaktiere uns hier!