Plastikfreie Fischköder von Capt’n Greenfin: Gewinner des Lean Innovation Award
31 August 2022 - Pablo Sulzer

Von 20 Projekten haben es fünf Ideen ins grosse LIA Finale geschafft: Dort überzeugte das Projekt von Jonas Urwyler und seinen beiden Brüdern Samuel & Damian Urwyler die Jury und setzte sich am Ende als LIA-Sieger durch.

Capt’n Greenfin’s Vision vom plastikfreien Fischköder und nachhaltigem Fischen präsentierte Jonas glaubwürdig und mit spürbarem Engagement der Award-Jury. Doch was steckt hinter diesem Brüder-Unterfangen? Was hat die Teilnahme beim Hub-Förderprogramm LIA bisher gebracht? Und: Was ist eigentlich das Faszinierende beim Fischen? Wir haben Jonas auf dem Murtensee getroffen und ihm diese und weitere Fragen gestellt. Die Geschichte hinter Capt’n Greenfin, im Gespräch mit Jonas Urwyler.

 

Damian (links) und Jonas (am Steuer) gewähren uns einen Einblick in ihren Capt’n-Greenfin-Alltag, hier auf dem Murtensee unterwegs. fotos by noreen illi

 

In dieser grossen, weiten Fischerwelt – was bietet das frischgegründete Unternehmen Capt’n Greenfin den interessierten Fischerinnen und Fischern Neues an?

Wir bieten die erste echte nachhaltige Alternative zu den Plastikködern an. Wir haben ein neues Material entwickelt, um vollkommen auf Plastik zu verzichten. Ich denke, es ist ein Produkt, dass noch für viel Aufmerksamkeit sorgen wird – besonders bei den Fischern, denen es am Herzen liegt, unsere Gewässer nicht weiter zu verschmutzen. Begonnen hat ja alles, dass wir für uns selber eine Alternative wollten. Besonders, als uns bewusst wurde, dass wir selber bereits rund 1’500 Köder im Murtensee versenkt hatten.

Fischen als Leidenschaft: Wieso hast du mit dem Fischen überhaupt angefangen und nie wieder aufgehört?

Angefangen haben wir, weil wir drei Brüder sind, die am See aufgewachsen sind. Der älteste begann und so gingen wir mit. Bald mal fingen wir die ersten Fische – ein grossartiges Erfolgserlebnis. Man kann sich mit verschiedenen Fischer-Techniken weiterentwickeln. Mittlerweile ist das Fischen auch ein schöner Ausgleich zum Arbeitsalltag, auf dem See abschalten, Natur & Ruhe geniessen und ab und zu etwas fangen.

 

Capt’n Greenfin präsentiert: Ihre plastikfreien Fischköder aus ihrer Produktion.

 

Von links nach rechts: Jonas und Damian besprechen die Entwicklung der Fischköder.

 

Weg von der Gegenwart, wie sieht die Zukunft aus? Was wäre die Traumdestination von Capt’n Greenfin, wo man mal ankommen möchte?

Das grosse Potential sehen wir darin, dass Fischer mehrheitlich umweltbewusst sind. Da gibt es noch viel Raum, um Innovation reinzubringen. Praktisch jede Köderart lässt sich nachhaltiger gestalten, ebenso lokaler produzieren. Und es gibt noch nicht wirklich einen Platzhirschen, der die Nachhaltigkeits-Fischernische dominiert. Unsere Vision ist es also, mit Capt’n Greenfin die nachhaltige Fischermarke der Fischer zu werden.

 

Strahlende Gewinner des Lean Innovation Awards 2021: Jonas und Damian präsentieren die erste Verpackungs-Ausgabe ihres neuen Fischköders.

 

Im Impact Hub Bern haben wir dich als Teilnehmer unseres Förderprogramms Lean Innovation Award LIA kennengelernt, bevor es Capt’n Greenfin überhaupt gab. Damals: Wieso hast du dich bei LIA angemeldet?

Ich habe mich angemeldet, weil ich mich fokussierter mit dem Projekt auseinandersetzen wollte. Damals war es einfach eine Idee mit ein paar Prototypen und Material-Tests, aber es war alles noch nicht sehr gut – mein Bruder Damian, jetziger Geschäftspartner und Mitgründer, glaubte noch nicht an die Umsetzung -, man konnte damit auch nicht wirklich gut fischen. Ich wollte es mal konkreter anschauen, denn das Potential schien mir riesig. Ebenso sah ich in LIA die Möglichkeit, ein Netzwerk in Bern aufzubauen und konkret an der Idee zu arbeiten. 

 

Beim Förderprogramm LIA ist der Austausch unter den Teilnehmenden ein grosser Teil der Weiterentwicklung des eigenen Projekts. lia fotos by fabian gfeller

 

Bei LIA bekommt man an mehreren Abenden nützliches Wissen, tauscht sich mit anderen Startups über andere Projekten aus, mit Leuten, die an ähnlicher Stelle mit ähnlichen Problemen unterwegs sind. Dabei bekommt man auch mal Feedback von Personen außerhalb des Familien- und Freundeskreises, was sehr wertvoll ist und Augen öffnen kann. Innerhalb von kurzer Zeit kann man also gut prüfen und lernen, ob man das Projekt weitermachen möchte oder nicht.

Rückblick, was würdest du sagen: Was ist dir von LIA am meisten geblieben?

Es hat mich vor allem sehr motiviert. Wir von Capt’n Greenfin hatten das Glück, dass wir einen sehr einfachen Business Case hatten, den viele auf Anhieb verstanden haben. Und wir haben sehr schnell und sehr gutes Feedback bekommen. Diese Rückmeldungen sind besonders wichtig, wenn man nebenbei 100% arbeitet. Solche Motivationsschübe sind sehr willkommen, um etwa abends weiter an der Idee dranzubleiben.

 

Von links nach rechts – die fünf Finalisten: Zeinap «Ina» Serage mit Recycle Design Bern; Anita Jetzer mit Breath Atelier; Claudio Henri mit Breiby Bern; Jonas Urwyler mit Capt’n Greenfin (ehem. FishUp) und Rohitashva Joshi mit Jaipur Handblock Print.

 

Gutes Feedback, Motivation, Fokus, Wissen – das hat euch der Lean Innovation Award geboten – sonst noch was?

Wir sind durch LIA sehr interessanten Leute begegnet. Auch dieses Gespräch und dieser Blogpost ist ja durch LIA entstanden (schmunzelt). Solche Programme wie LIA können Türen öffnen, man weiss nie, wem man begegnet, wer deine Idee cool findet und dir dann weiterhilft.  Und am Anfang weiss man oft nicht, wo man anklopfen soll. Und dort hat uns der Impact Hub Bern mit seinem Förderprogramm LIA sicherlich sehr geholfen, uns zu zeigen, wo man Unterstützung abholen kann.

 

Das Förderprogramm LIA ist eines von vielen Angeboten des Impact Hub Bern.

 

Wem würdest du persönlich LIA also empfehlen?

Eigentlich fast allen, die ein konkretes Projekt oder eine Idee haben, die sie validieren möchten – oder allen, die in die Gründungs-Richtung gehen möchten, aber noch nicht sicher sind. Auch Leute, die gerne im Startup-Bereich arbeiten möchten, um mit Gleichgesinnten etwas zu starten. Am Anfang ist ja vieles einfach Ärmel hochkrempeln und loslegen – darum: LIA ist für alle, die eine Idee im Kopf herumschwirren haben und sich sagen, ich würde es bereuen, wenn ich dies nicht mal probieren würde. 

Wie geht ihr allgemein mit Unterstützung um? Holt ihr euch die oft oder wie sieht das bei Capt’n Greenfin aus?

Seit mein Bruder Damian auch voll mit dabei ist, ergänzen wir uns beide bestens mit verschiedenen Themen & Skills. Er ist beim Digital Marketing voll in seinem Element, auch sein Händchen & Liebe zum Detail ist super. Wichtig ist vor allem, sich schnell zu entscheiden, ob man sich neue Skills aneignen soll oder es sich lohnt, externe Unterstützung zu suchen. Als Beispiel: Bei der Erstellung der Webseite haben wir uns lange überlegt, es selber zu machen – wir hatten auch bereits einen Shop installiert. Aber wir haben dann gemerkt, dass es zu zeitintensiv für uns wird, die Webseite wie gewünscht hinzubekommen.

Zum Glück habt ihr bei LIA sogar für dieses Problem die richtige Person gefunden.

Ja! Glücklicherweise haben wir bei LIA mit Greg jemanden getroffen, der genau das macht und nachhaltige Projekte unterstützen möchte. Er machte nun ebenfalls unser Greenfin-Logo und noch mehr – hier ergibt diese Unterstützung sehr viel Sinn. Es sollte einem auch nie zu schade sein, offen zu sagen, wo man Unterstützung braucht. Wir hatten bisher einige Personen, die uns freiwillig helfen wollten, weil sie das Projekt cool finden und Freude hatten, an diesem Startup ein Stück beizutragen. Wir hoffen natürlich auch immer, etwas zurückgeben zu können.

 

2. von links: Sandra Macaluso und Greg Zagkos hier als LIA-Teilnehmer, jetzt ist Greg in Zusammenarbeit mit mehreren LIA-Projekten aktiv.

 

Zurück zu eurem liebsten Thema: Was sollte man übers Fischen unbedingt wissen?

Fischen ist nicht gleich Fischen. Es gibt sehr viele verschiedene Fischereimethoden, auf jedem Gewässer gelten andere Regeln. Und grundsätzlich: Es gibt nicht nur das klassische Fischen, wie oft in Filmen zu sehen ist: Zapfen raushängen, Wurm dran und abwarten. Sondern es haben sich hunderte von Techniken entwickelt, jeder Fisch wird anders gefischt. Das macht das Fischen so spannend.

 

Jonas auf dem Murtensee in seinem Element.

 

Welchen Vorurteilen und Klischees begegnet man ab und zu?

Dass man zwingend geduldig sein muss fürs Fischen. Viele Leute sagen, sie würden gerne Fischen gehen, aber hätten die Geduld hierfür nicht. Meine Brüder und ich sind auch nicht gerade die geduldigsten Personen. Ebenso ein oft zutreffendes Klischee sind wohl die vielen Fischergeschichten, da die meisten Fischer etwas übertreiben, etwa wenn es um die Grösse der gefangenen Fische geht.

 

Auch wenn etwas Klischee: Ausgeschmückte Fischergeschichten gehören einfach zum Fischen dazu.

 

Bei aller guten Sache: Es gibt sicherlich Skeptiker bezüglich euren plastikfreien Fischködern. Wie geht man damit um, wie kann man diese Personen überzeugen – oder muss man das überhaupt?

Viele sind skeptisch, weil sie denken, dass es solche Köder sicher schon gibt. Doch wir haben uns im Markt gut umgesehen. Es gab manche, die ähnliches vor Jahrzehnten probiert haben, doch das Umweltbewusstsein war damals noch weniger ausgeprägt als jetzt. Ich denke, dass die Nachfrage von umweltbewussten Fischern nach nachhaltigen Alternativen genügend gross ist. Es wäre schön, wenn alle es mal ausprobieren würden – und für die Skeptischen: Sie können uns sehr gerne Feedback geben, damit wir unsere Greenfins noch weiterentwickeln können. Wir sind auf der Suche nach Testfischern.

Und was steht also aktuell bei Capt’n Greenfin auf dem Programm?

Aktuell läuft viel rund um die soeben lancierten Webseite und den Verkaufsstart unserer Produkte. Keiner von uns hat jemals einen Onlineshop betrieben, aber wir lernen schnell dazu. Ebenfalls sind wir daran, mit der Gewa zusammen Arbeitsinseln zu entwickeln, damit wir unsere Köder nicht mehr von Hand machen müssen, sondern diese lokal und sozial produzieren lassen können. Ebenfalls haben wir schon mehrere weitere nachthaltige Fischerköder und Produkte in der Pipeline.

 

Soeben wurde ihre Webseite lanciert: Jonas und Damian präsentieren stolz ihr selber entwickeltes Produkt.

 

Offen die Community um Unterstützung zu fragen – eine Sache, die beim LIA-Förderprogramm ebenso gepflegt wird. Also, here we go: Wo braucht ihr aktuell Unterstützung als Capt’n Greenfin?

Wir brauchen in nächster Zeit offene Ohren von den Medien & von den Fischerverbänden und -Vereinen, um auf die Umwelt-Problematik aufmerksam zu machen: Wir wollen über nachhaltiges Fischen aufklären, da viele Fischer auch etwas machen möchten, aber es schwierig ist, die richtigen Informationen zu finden. Wir würden uns freuen, dass diese Message rausgeht und möglichst viele umweltbewusste Personen von uns erfahren und unser Produkt mal ausprobieren und uns Feedback geben. Nur so können wir uns verbessern. Ansonsten sind wir sehr offen für Inputs & Gespräche übers Material, mit denen man Fischköder machen kann. Auf uns kann man zukommen, wir beissen nicht.

 

Wir wünschen dem Team hinter Capt’n Greenfin weiterhin alles Gute! Und allen anderen: Unbedingt dieses Jahr für LIA bewerben.

 


Bewirb auch du dich mit deiner Idee oder Startup-Projekt beim Lean Innovation Award 2022. Anmeldung offen!
👉👉 Mehr Infos hier: www.leaninnovationaward.ch